Mehr Transparenz, Dialog und Faktentreue
Talkrunde beim IQ-Forum in Berlin mit Daniel Bouhs, Juliane Leopold, Cordt Schnibben, Siegfried Weischenberg und Moderator Werner Lauff. (Foto: Hendrik Falk)

Ist der Journalismus auf guten Wegen? Rund 70 Branchenexperten haben am 14. Oktober beim Herbstforum der „Initiative Qualität“ über die aktuelle Situation im Journalismus sowie notwendige Kurskorrekturen diskutiert. Eine aktuelle Dokumentation ist jetzt im Netz abrufbar.

von Monika Lungmus

Der Journalismus steht zunehmend unter Druck: Nicht nur die wirtschaftliche Basis schrumpft in einigen Bereichen, auch die Glaubwürdigkeit ist in Gefahr, zugleich destabilisieren Falschinformationen und Verschwörungstheorien die öffentliche Meinungsbildung. Anlass für die „Initiative Qualität“, bei ihrem zehnten Herbstforum mit dem Titel „Qualität und Professionalität – Journalismus auf guten Wegen?“ über die aktuelle Situation im Journalismus und notwendige Kurskorrekturen zu diskutieren. Gut 70 Journalisten, Ausbilder, Wissenschaftler und andere Branchenexperten kamen zu der IQ-Veranstaltung am 14. Oktober nach Berlin. Eine Dokumentation der IQ-Veranstaltung ist jetzt im Netz abrufbar.

Hans Dieter Heimendahl, Programmchef von Deutschlandfunk Kultur, in dessen Räumlichkeiten die Tagung stattfand, äußerte gleich zu Beginn die Notwendigkeit einer präzisen, differenzierten, verlässlichen Berichterstattung, „die transparent macht, was sie weiß und wo sie nicht weiß und wo sie geirrt hat“. Nur wenn es gelinge, „unsere Leserinnen, Hörerinnen, Zuschauerinnen von dem, was wir machen, zu überzeugen, gibt es auf Dauer eine Chance zu demokratischer Debatte“, sagte er bei seiner Begrüßung. Auch Kommunikationswissenschaftler Siegfried Weischenberg rief zu mehr Transparenz auf, auch zu mehr Diversität. Es gelte, über den Tellerrand der eigenen Branche zu blicken. Der Journalismus dürfe angesichts sinkender Glaubwürdigkeit und öffentlicher Kritik nicht in Selbstkritik verfallen, die seiner Meinung nach oft „masochistische Züge“ trage.

In einer Diskussionsrunde debattierten der Medienjournalist Daniel Bouhs, die Tagesschau.de-Chefredakteurin Juliane Leopold und der ehemalige Spiegel-Reporter und heutige Leiter der Reporterfabrik, Cordt Schnibben, über weitere Herausforderungen an den Journalismus. Unter anderem ging es dabei um die Frage, wie es gelingen kann, journalistische Inhalte und Standards auch in sozialen Netzwerken wie Instagram, Snapchat oder Tiktok zu etablieren, um jene Nutzer zu erreichen, die keinen Kontakt mehr zu den klassischen Medien haben.

Maria Exner, stellvertretende Chefredakteurin von Zeit Online, berichtete über neue Formen des Leserdialogs. Projekte wie etwa „Deutschland spricht“, zu dem Menschen mit völlig gegensätzlichen Meinungen zu kontroversen Themen eingeladen werden, förderten nicht nur die Debattenkultur, sondern stärkten auch die gesellschaftliche Mitte. Die Medien als Gastgeber könnten zudem Vertrauen gewinnen. Anton Sahlender, Ombudsmann der Main-Post in Würzburg und Vorstand der Vereinigung der Medien-Ombudsleute, plädierte unter anderem dafür, den Lesern die Akteure und Arbeitsroutinen in den Redaktionen zu erklären.

Ursula Ott, Chefredakteurin von Chrismon, befasste sich mit dem sogenannten konstruktiven Journalismus, während Marco Bertolaso, Leiter der Nachrichtenredaktion beim Deutschlandfunk in Köln, vor allem seine Sorge über den lockeren Umgang mit Fakten formulierte. Er warnte vor der „gefährlichen Tempoverschärfung durch halbgare Informationen im Internet“ und stellte fest: „Es stimmt: Nachrichten sind ein schnelles Geschäft“, aber „ohne Zeit und Ressourcen für Verifikation, Recherchen und viele Gespräche in der Redaktion wird das nichts“. Beatrice Dernbach, Professorin für praktischen Journalismus an der Technischen Hochschule Nürnberg, sprach in diesem Zusammenhang sogar von „De-Professionalisierung“ und schlug eine neue Instanz vor, die die „Selbstorganisation der Profession in die Hand nimmt und sie sicherstellt“.

Die ausführliche Dokumentation ist unter www.initiative-qualitaet.de abrufbar.

Die Redaktion - 25.10.2019