Interessenskonflikte
Am Tropf der Entwicklungshilfe
Wenn Journalisten über Entwicklungshilfeprojekte berichten, haben nicht selten Organisationen wie die GIZ die Pressereisen bezahlt. (Illustration: journalist)

Berichte über Entwicklungshilfe-Projekte entstehen oft im Rahmen von Pressereisen, die die GIZ und andere Organisationen veranstalten. Unabhängige Recherchen sind so aber kaum möglich. Der journalist hat mehrere Fälle zusammengetragen.

Kann ein Journalist kritisch über Entwicklungshilfe-Projekte berichten, wenn seine Recherchen auf einer Pressereise der Welthungerhilfe oder der Entwicklungshilfe-Organisation GIZ (Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit) basieren? Eine Frage, der das Medienmagazin journalist in seiner August-Ausgabe nachgeht. journalist-Autor Andreas Maisch hat mehrere Fälle zusammengetragen, bei denen Journalisten über Entwicklungshilfe-Projekte berichtet haben, die sie auf organisierten Pressereisen kennengelernt haben. Im Ergebnis stellt er fest: Die Beiträge fallen durchweg positiv aus.

Zwar ist die Teilnahme an solchen Reisen in der Regel nicht an Bedingungen geknüpft, aber sie kann Sympathie und Nähe schaffen. Zeit-Reporter Wolfgang Bauer hat noch eine weitere Erklärung: Journalisten, die ihre Informationen auf einer Pressereise von GIZ und anderen Anbietern erhalten, können kaum anders als positiv berichten, weil sie nicht auf Kritikwürdiges stoßen. „Was am Ende der Pressereisen herauskommt, muss man, glaube ich, fast schon als Auftragsarbeiten bezeichnen“, sagt er dem journalist. „Nicht, weil die Kollegen sich jetzt willentlich korrumpieren lassen würden, sondern weil ihnen technisch keine anderen Werkzeuge in die Hände gelegt werden.“

Der Pressekodex verlangt daher in Ziffer 15 eine Kennzeichnung, wenn der Autor eines Berichts zuvor an einer Pressereise teilgenommen hat. Doch mit der Kennzeichnung nehmen es viele Medien nicht allzu genau. So ist der journalist bei seinen Recherchen auf Beiträge unter anderem in Tagesspiegel, Rheinischer Post und Neues Deutschland gestoßen, die nicht als Pressereise gekennzeichnet waren.

Freie Autoren befinden sich häufig in einer Zwickmühle. Redaktionen nehmen zwar gerne Texte an, die auf aufwendigen Recherchen und Reisen beruhen. Zahlen können oder wollen die meisten Redaktionen diesen Aufwand ihren Autoren jedoch nicht. So sehen viele Journalisten Pressereisen als einzige Lösung. Das Risiko trägt am Ende der Autor – denn seine Glaubwürdigkeit steht auf dem Spiel.

Manche Autoren, die in Tageszeitungen über Entwicklungshilfe-Projekte schreiben, veröffentlichen ähnliche Fassungen auch in den Hausmagazinen von Entwicklungshilfe-Organisationen. Lutz Tillmanns, Geschäftsführer des Deutschen Presserats, hält eine solche Doppeltätigkeit für „höchst problematisch, weil sie die Unabhängigkeit der Berichterstattung und damit auch das Ansehen der Presse gefährdet“. Politikwissenschaftler Hans F. Illy kritisiert auch die Veranstalter der Pressereisen: „Die GIZ schickt für ihr Magazin Akzente Journalisten auf Reisen und lässt sich von ihnen Gefälligkeitsberichte liefern.“

Den ausführlichen Bericht von Andreas Maisch über die Interessenskonflikte für Autoren lesen Sie in der August-Ausgabe des journalists. Neugierig? Hier kostenloses Probeheft bestellen.

 

Die Redaktion - 26.8.2019