Kommunikationskanal für Whistleblower
Lohnen sich digitale Briefkästen?
Der technische Aufwand ist hoch: Lohnen sich digitale Briefkästen für Redaktionen? (Illustration: journalist)

Viele Medien bieten potenziellen Informanten einen digitalen Briefkasten als anonymen Kommunikationskanal an. Der technische Aufwand ist allerdings groß. Lohnt sich das? Die Redaktion der Süddeutschen Zeitung nutzt seit einigen Monaten eine Open-Source-Lösung.

Ob Washington Post, New York Times oder Guardian – bei vielen Medien ist SecureDrop im Einsatz, wenn es um anonyme Hinweise geht. Seit November 2018 nutzt auch die Süddeutsche Zeitung die Open-Source-Lösung für eine sichere und anonyme Kommunikation zwischen Journalisten und Whistleblowern. „Diskutiert haben wir über ein anonymes Briefkastensystem schon lange“, sagt Vanessa Wormer, Leiterin des Teams Daten und digitale Investigation bei der Süddeutschen Zeitung (SZ). Man habe auch darüber nachgedacht, ein eigenes System zu entwickeln, und sich schließlich doch für die Software entschieden, mit der auch die internationalen Partner arbeiten. 

Bislang gehen mehrmals pro Woche Nachrichten über den digitalen Briefkasten der SZ ein. Vanessa Wormer hat die Hoffnung, dass das Material im Schnitt hochwertiger ist als die Informationen, die auf anderen Wegen zur Redaktion kommen. Wie genau der Kosten-Nutzen-Faktor langfristig sein wird, mag sie noch nicht sagen: „Dafür ist das System noch nicht lange genug im Einsatz.“

Andere Redaktionen, die schon länger ähnliche Systeme verwenden, haben unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Beim Handelsblatt beispielsweise entstehen laut Sönke Iwersen, dem Leiter des Ressorts Investigative Recherche, vier bis sechs Mal im Jahr aus den anonymen Hinweisen tatsächlich Geschichten. Karsten Polke-Majewski, einer der beiden Leiter des Investigativressorts von Zeit und Zeit Online, berichtet, dass auch „Quatsch“ dabei ist. „Aber es gibt viele Informationen, die uns ohne dieses Postfach nicht erreicht hätten.“ 

Den ausführlichen Beitrag über Aufwand und Nutzen von digitalen Briefkästen und die Frage, wie sicher solche Systeme sind, lesen Sie in der Mai-Ausgabe des journalists. Neugierig? Hier kostenloses Probeheft bestellen.  

Die Redaktion - 13.5.2019