journalist 3/2019
Wie machen wir Sprache gerechter?
Titelthema der März-Ausgabe: Gendergerechte Sprache (Foto: journalist)

Gender-Sternchen, Binnen-I oder Schrägstrich – wie machen wir Sprache gerechter? journalist-Chefredakteur Matthias Daniel stellt das Titelthema der März-Ausgabe vor.

Kritiker von gendergerechter Sprache bringen eigentlich immer ein Argument: der Lesefluss wird gestört. Das Argument ist zwar nachvollziehbar. Aber es überzeugt trotzdem nicht. Marieke Reimann, Chefredakteurin von Ze.tt (dem jungen Angebot aus dem Zeit-Verlag), erklärt das bei uns im Interview so: "Wenn ich als Journalist oder Journalistin den Anspruch habe, beide Seiten zu hören und über beide Seiten gleichberechtigt zu berichten, dann ist es für mich nur selbstverständlich, dass ich das auch in meinem Grundhandwerk, also der Sprache, widerspiegele."

Die Ze.tt-Redaktion setzt seit drei Jahren konsequent auf eine gendergerechte und gleichberechtigte Sprache – mit Hilfe eines Sternchens. Auf der Website ist von Journalist*innen und Leser*innen die Rede, genauso wie von Schlagersänger*innen und Naziverbrecher*innen.

Ist das die Lösung? Für Ze.tt schon. "Bei mir und meinen Kollegen funktioniert das. Sonst würden wir auch nicht daran festhalten". Allerdings gibt Reimann zu, dass ihre Art des Genderns in der Leserschaft unterschiedlich aufgenommen wird. Faustregel: Je jünger und weiblicher das Publikum ist, um so mehr stößt das Sternchen auf Verständnis. Und bei den anderen?

journalist-Autorin Juliane Wiedemeier formuliert das in unserer März-Titelgeschichte so: "Das Empörungspotenzial von Gender-Sternchen, Binnen-I oder Gender-Gap erreichen sonst nur Forderungen nach Tempolimits auf der Autobahn oder vegetarischen Tagen in Kantinen." Und trotzdem: "Dass auf der Erde mindestens zwei Geschlechter existieren, die voneinander zu unterscheiden sind, lässt sich je nach Glaubensrichtung bis zu Adam und Eva oder dem Urknall zurückverfolgen", so Wiedemeier. Es ist an der Zeit, dass sich dies auch in der Sprache ausdrückt.

Wer auf andere Branchen oder in Unternehmen schaut, stellt fest, dass dort schon viel selbstverständlicher und kreativer mit gendergerechter Sprache umgegangen wird. Der Journalismus muss aufpassen, hier nicht abgehängt zu werden.

Welche unterschiedlichen Ansätze und Möglichkeiten es gibt, können Sie in unserer März-Titelgeschichte nachlesen. Bislang hat sich noch kein Königinnenweg gefunden. Das ist vielleicht auch gar nicht so entscheidend. Ob Journalist_in oder Medienschaffende, ob Journalistinnen und Journalisten oder Alle, die im Journalismus tätig sind: Wichtig ist, dass Redaktionen versuchen und ausprobieren, gleichberechtigter zu formulieren. Die deutsche Sprache verträgt mehr Gerechtigkeit!

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Matthias Daniel - 4.3.2019