Laura Karasek
Wodka-Shots und Reclam-Hefte
Laura Karasek: "Vielleicht werde ich irgendwann der Eckart von Hirschhausens des Rechts" (Foto: ZDF/Klaus Weddig).

Laura Karasek ist nicht nur Tochter des berühmten Literaturkritikers Hellmuth Karasek. Sie ist ein Multitalent, will in keine Schublade passen und steht mit 37 erst am Anfang ihrer Karriere. Dem journalist sagt sie: „Vielleicht werde ich irgendwann der Eckart von Hirschhausen des Rechts.“

Sie ist Rechtsanwältin, Autorin, Moderatorin. Laura Karasek hat viele Facetten. Und sie hat einen berühmten Vater: den Literaturkritiker Hellmuth Karasek, der vor vier Jahren gestorben ist. Laura Karasek, die im Sommer für das ZDF die Talkshow „Zart am Limit“ moderierte, mag es allerdings nicht, wenn man sie auf ihn reduziert. Sie schätze und liebe ihren Vater, habe ihm auch viel zu verdanken, „weshalb mein Erfolg aber noch lange nicht mit ihm zusammenhängt“, sagt Laura Karasek dem journalist.

„Obwohl manches als Tochter einfacher ist als für einen Sohn, der sich vielleicht eher messen oder abgrenzen will, ist es auch für mich oft nicht leicht, als eigenständiges Wesen wahrgenommen zu werden“, sagt sie. Vielleicht ein Grund dafür, dass sie in ihrer Stern-Kolumne ihr Elternhaus, in dem sie „so kultiviert aufwachsen durfte“, geradezu konterkariert hat. „Weil ich für Intellektuelle zu derbe war und für Prolls am Ende zu streberhaft, also irgendwie nirgendwo so richtig zuhause, habe ich womöglich versucht, alle Lauras in einer zu vereinigen, um es jedem und niemandem recht zu machen“, erklärt sie ihren speziellen Habitus im Nachhinein und erinnert an ihre Jugendzeit, als sie versucht habe, „die Partyqueen meines Abi-Jahrgang zu werden. Ich brauchte Wodka-Shots schon immer genauso wie Reclam-Hefte.“

Sie findet das „dauernde Schubladendenken“ ohnehin ermüdend, spannender sei es, mit den Vorurteilen anderer zu spielen. „Ich zum Beispiel bin trotz meiner kulturaffinen Familie gern mal laut und derb, höre HipHop, mag Männer mit Tattoos, habe also mehr als genug Seiten, die ganz und gar nicht intellektuell, aber eben auch viele Gedanken, die schwermütig und sentimental sind.“ Ebenso findet sie die Spaltung in U und E künstlich. Selbst „dezidiert politische Talkshows“ seien doch immer „auch ein Wellenritt zwischen Oberfläche und Tiefgang“. Laura Karasek würde die Trennung zwischen Entertainment und Intellektualität gerne aufheben. Sie möchte Denkanstoße geben, „ohne dass man dafür alles von Michel Houllebecq gelesen haben muss.“ Natürlich biete ihr Talkshow-Format „nicht den idealen Rahmen zur Analyse gesellschaftlicher Kernprobleme. Trotzdem langweilt mich die krampfhafte Trennung in ‚seicht‘ und ‚seriös‘ zutiefst.“

Laura Karasek hat zwei juristische Staatsexamen und als Anwältin in einer Großkanzlei gearbeitet, mit dem Schreiben und Moderieren hat sie inzwischen, wie sie sagt, ihr „Hobby zum Beruf gemacht“. Ohnehin haben Journalismus und Jura aus ihrer Sicht einige Berührungspunkte. „Als Juristin musst du ebenso wie als Journalistin, Autorin, Moderatorin klar, präzise und vor allem leidenschaftlich gern mit Sprache umgehen, möglichst akribisch recherchieren und die richtigen Fragen stellen, aber auch beantworten. Beide Bereiche haben sehr viel mit Psychologie, Genauigkeit und Wissbegier zu tun“, sagt sie dem journalist. Sie könne sich daher vorstellen, auch mal eine unterhaltsame, womöglich politische Jura-Show fürs Fernsehen zu machen. „Das wäre schön“, sagt sie. „Vielleicht mache ich das irgendwann und werde der Eckart von Hirschhausen des Rechts.“ lu

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Matthias Daniel - 26.10.2019