Felix Dachsel
„Wir dürfen unsere Radikalität nicht verlieren“
Die heutige Jugend sei extrem vernünftig und verantwortungsvoll. „Das ist ein echter Rollentausch“, sagt Felix Dachsel. (Foto: Christian O. Bruch)

Felix Dachsel kam vor knapp einem Jahr zu Vice und hat dort jetzt die Chefredaktion für Deutschland, Österreich und die Schweiz übernommen. Er sagt: Vice ist und bleibt antiautoritär, auch wenn die heutige Jugend extrem vernünftig ist.

Felix Dachsel, der jetzt die Chefredaktion der Vice-Medienmarken in Deutschland, Österreich und der Schweiz übernommen hat, plädiert dafür, Journalismus mit Popkultur zu verbinden. „Journalismus hat aus meiner Sicht neben anderen Kernaufgaben auch die Aufgabe, gut zu unterhalten“, sagt der ehemalige Zeit-Journalist im Interview mit dem Medienmagazin journalist. Und fügt hinzu: „Es darf unterhaltsame Text geben, die nicht politisch sind, aber niemals politische Texte, die nicht unterhaltsam sind. Wir müssen fesseln wollen.“

Aus Sicht von Dachsel, der vor knapp einem Jahr von der Zeit zu Vice wechselte, um dort zunächst den deutschen Ableger zu leiten, muss sich dies auch in der sprachlichen Präsentation spiegeln. „Wir schreiben, wie wir sprechen“, sagt er dem journalist, „dieses journalistische Ethos hat jeder bei uns so verinnerlicht, dass klassische Kämpfe zwischen Info, Relevanz und Entertainment nicht stattfinden.“ Die Vice-Autoren vermieden es so, dass sie sich „von alltäglicher Sprache entfremden“. Dachsel: „Letztlich verschriftlichen wir Gedanken, die ungefähr so auch auf einer Party formuliert werden könnten.“ Dort merke man ja schnell, ob man Menschen begeistere oder anöde.

„Vice ist und bleibt antiautoritär“, betont Dachsel im journalist-Interview und hält an der Provokation fest. „Wir verstehen uns als freie Radikale, die sich an keine gesellschaftlichen Kräfte binden lassen.“ Allerdings habe sich die Hauptzielgruppe des Jugend- und Lifestylemagazins in den vergangenen Jahren stark verändert. Die heutige Jugend sei extrem vernünftig und verantwortungsvoll. „Das ist ein echter Rollentausch“, so Dachsel. „Für die traditionelle Radikalität und Unvernunft bei Vice ist dieser Rollentausch eine Herausforderung.“

In der Redaktion zeige man inzwischen „eine Spur weniger Hedonismus bei mehr Bewusstsein“. Felix Dachsel sieht das aber nicht als neue redaktionelle Ausrichtung, „weil bei aller Vernunft auch weiter gefeiert und über die Stränge geschlagen wird“. Aber er warnt auch: Vice dürfe „nicht den Fehler machen und mit den Anhängern altern, um dann irgendwann zu verschwinden wie die großen Volksparteien“. Er sagt: „Mir ist es sehr wichtig, dass wir unsere Radikalität nicht verlieren“.

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Die Redaktion - 6.8.2019