Wie Kinder Medien nutzen
Bereits im Grundschulalter entwickeln Kinder einen Medienkonsum nach eigenen Vorlieben, Ritualen und Gebrauchsmustern. Diese Erfahrungen prägen oft das Konsumverhalten bis ins Erwachsenenalter. (Foto: netsign-adobestock.com)

Studien zeigen: Kinder haben einen Hang zum Analogen, sehnen sich aber auch nach einem Smartphone. Und übernehmen viel von dem Konsumverhalten ihrer Eltern.

Die Kinder von heute sind die Nachrichtenkonsumenten von morgen. Wer also Hinweise darauf haben will, wie die Nachfrage nach Nachrichten und Journalismus in Zukunft aussehen könnte, muss sich die Mediennutzung des Nachwuchses anschauen. Diese ist einerseits von eigenen Vorlieben und Wünschen geprägt, andererseits aber auch von frühen Erfahrungen in der familiären Umgebung, wie der journalist in seiner aktuellen Oktober-Ausgabe berichtet.

Studien zeigen: Die Rituale der Eltern, deren Medienkonsum und Interesse am Weltgeschehen stellen die Weichen für das Konsumverhalten der Kinder. Analysen des Instituts für Demoskopie Allensbach zeigen beispielsweise seit vielen Jahren: Wer als Kind keine Zeitung gelesen hat, wird dies als Erwachsener ebenfalls kaum tun. Wer dagegen im Elternhaus täglich mit Nachrichten in Berührung kommt, wird sich auch später ziemlich sicher für die Lage in der Welt interessieren und verstehen, warum der Abend in vielen Wohnungen mit der Tagesschau beginnt.

Allerdings: Genau solche Riten und Mediengebräuche lösen sich zunehmend auf. „Das bisher habituell geprägte Informationsverhalten wird zunehmend spontaner“, berichtet Johannes Schneller, Leiter der Allensbacher Markt- und Werbeträgeranalyse (AWA), einer der wichtigsten Markt-Media-Studien des Landes. Die jüngere Generation verändere ihre Verhaltensweisen besonders rasch. „Dadurch sind generationsspezifische Informations- und Kommunikationskulturen entstanden.“

Die Forscher sprechen von einer regelrechten „Enthabitualisierung“ des Nachrichtenkonsums. In Zahlen: 62 Prozent der 16- bis 29- Jährigen halten es heutzutage nicht mehr für notwendig, sich regelmäßig über das aktuelle Geschehen zu informieren, weil man im Internet jederzeit abrufen kann, was man gerade wissen will. Unter den Über-60-Jährigen teilen diese Meinung nur 19 Prozent. Dementsprechend gehört der Nachrichtenkonsum auch nur noch für eine Minderheit (45 Prozent) der 14- bis 19-Jährigen zur täglichen Routine. Bei den Über-60-Jährigen lesen, hören, sehen noch 90 Prozent täglich Nachrichten.

Für die Forscher noch bedeutsamer: Das Interesse bleibt bei den Kindern geringer als bei den Eltern, auch als Erwachsene. Anders gesagt: Die nachwachsende Generation wird im Alter nie mehr so viel Interesse am Tagesgeschehen entwickeln wie die heutigen Alten. Ebenso ändert sich die Art des Medienkonsums: Während Kinder zunächst noch mit den Eltern beim Fernsehen im Wohnzimmer sitzen, ziehen sie sich später mit ihrem Smartphone ins eigene Zimmer zurück, um Angebote wie Instagram und Tiktok zu nutzen. Und wenn sie nach Informationen suchen, dann nutzen sie neben Suchmaschinen und Wikipedia vor allem Youtube. Videos sind für sie eine wichtige Info-Quelle.

Interessant ist: Zumindest für die 6- bis 13-Jährigen haben analoge Medien noch eine hohe Bedeutung. Richard Stang, Leiter des Instituts für angewandte Kindermedienforschung in Stuttgart, verweist auf den sogenannten View-Master, ein Betrachtungsgerät für Dias mit zwei Gucklöchern und einer Taste zum Weiterschalten auf das nächste Bild. „Das ist für Kinder der größte Hit“, sagt er. „Wir sind und bleiben analoge Menschen in der digitalen Welt.“ Etwas haptisch und physikalisch zu erleben sei Kindern extrem wichtig. Vielleicht auch der Grund, warum 6- bis 13-Jährige nach wie vor zu gedruckten Zeitschriften und Büchern greifen, wie die Kinder-Medien-Studie sechs großer Verlage feststellte. So gut wie kein Kind lese Bücher elektronisch oder Zeitungen digital.

Die ausführliche Analyse von Olaf Wittrock und Carina Winter lesen Sie in der Oktober-Ausgabe des journalists. Neugierig? Hier kostenloses Probeheft bestellen.

 

Die Redaktion - 31.10.2019