Floskel des Monats
Super-GAU

Wie kann es bitte eine Steigerung eines „größten anzunehmenden Unfalls“ geben? Das „Größte“ im Akronym GAU ist bereits ein Superlativ. Ein vorgehängtes „Super“ klingt falsch und ist grammatikalisch nicht erlaubt – und trotzdem ist die Formulierung korrekt! Hintergrund ist die Größenordnung bei einem sogenannten „Auslegungsstörfall“ von Kernkraftwerken. Der GAU liegt vor, wenn es einen abrupten Bruch der Hauptkühlmittelleitung für die Brennstäbe gibt. Das war damals das Höchste der Gefühle – und wurde als Standard festgelegt.

Es war damals tatsächlich nicht vorstellbar, dass einem alles um die Ohren fliegen könnte. Erst ein Störfall, der darüber hinaus geht und die Umwelt, also Natur und Menschen berührt, gilt als Super-GAU. Bekanntestes Beispiel dürfte die Reaktorkatastrophe in Tschernobyl im Jahre 1986 sein. Der Reaktor 4 geriet damals außer Kontrolle. Es kam zur Kernschmelze, schließlich zur Explosion und damit zum Super-GAU.

Seit rund 30 Jahren gibt es nun eine internationale differenzierte Bewertungsskala von 0 bis zur höchsten Stufe 7. GAU und Super-GAU als nukleare Ereignisse wurden offiziell abgelöst. Trotzdem sind die Formulierungen noch immer in aller Munde – besonders in der Politik, um ein angebliches, zumindest selbsternanntes Drama zu dramatisieren. 

Für den journalist analysiert das sprach- und medienkritische Webprojekt Floskelwolke.de von Sebastian Pertsch und Udo Stiehl in jeder Ausgabe eine Floskel oder Phrase, mit der Journalisten im Monat zuvor besonders häufig danebenlagen.

Die Redaktion - 13.6.2019