Journalistennachwuchs
Ringen um Talente
Für Nachwuchsjournalisten sind die Einstiegsmöglichkeiten in die Branche so gut wie seit Jahren nicht mehr. (Fotomontage: journalist/Mykyta-Adobestock)

Journalistenschulen und Verlage schlagen Alarm. Denn die Zahl der Bewerbungen geht zurück. Welche Gründe gibt es dafür? Und wie kann der Nachwuchs wieder in die Redaktionen gelockt werden? Der journalist hat sich in der September-Ausgabe in der Branche umgehört und fünf Ideen für die Zukunft entwickelt.

Der Journalismus hat an Attraktivität eingebüßt. Deutliches Zeichen dafür ist die sinkende Zahl der Bewerber an Journalistenschulen und auf Volontariate. So beispielsweise bei der renommierten Henri-Nannen-Schule. Dort reichten früher circa 800 der rund 2.000 Bewerber tatsächlich Bewerbungstexte ein, heute sind es etwa 400, wie Schulleiter Andreas Wolfers dem journalist berichtet.

Die Situation an den Journalistenschulen ist noch vergleichsweise gut. Auch namhafte Verlage können noch immer aus einer Vielzahl von Bewerbern auswählen. Sorgen machen sich vor allem die Lokal- und Regionalzeitungen. Joachim Braun, Chefredakteur der Ostfriesen-Zeitung, erzählt dem journalist, dass er inzwischen Kandidaten zum Bewerbergespräch bitte, die er früher nicht eingeladen hätte.

Maurizio Gemmer vom Deutschen Journalisten-Verband warnt bereits vor einem Fachkräftemangel. „Das Image des Journalismus ist einfach megaschlecht. Wir hören immer wieder, dass potenzielle Nachwuchsjournalisten vor den prekären Arbeitsbedingungen zurückschrecken. Für viele ist der Journalismus kein Beruf mit Perspektive.“

Tanjev Schultz, Journalistik-Professor an der Universität Mainz, hat mit Wissenschaftlern aus Oxford nach den Gründen geforscht. Er sagt im journalist-Interview: „Es gibt noch immer viele junge Menschen, für die Journalismus ein Traumberuf ist. Aber die unsicheren Zukunftsaussichten halten auch viele davon ab, ihren Traum letztlich umzusetzen.“ Zudem sei der Nachwuchs heute auch nicht mehr bereit, „sich bis zum Letzten ausbeuten zu lassen“, so Schultz. „Und das Thema Work-Life-Balance ist in vielen Redaktionen noch lange nicht angekommen.“

journalist-Autorin Catalina Schröder hat aus ihren Gesprächen mit Schulleitern und Ausbildungsverantwortlichen sowie anderen Experten fünf Ideen entwickelt, wie sich die Branche ändern müsste, damit junge Menschen den Journalismus wieder als Beruf mit Perspektive sehen:

  1. Journalismus muss Spiegel der Gesellschaft sein: Derzeit seien in      Deutschlands Redaktionen große Teile der Gesellschaft unterrepräsentiert. Dadurch gebe es blinde Flecken in der Berichterstattung, und viele fühlten sich nicht angesprochen.
     
  2. Schlechte Bezahlung muss tabu sein: Das Image des Journalismus wäre besser, wenn die Medienhäuser weniger knauserig wären.
     
  3. Volontäre sind keine Billigredakteure: Wer junge Talente anlocken wolle, müsse ihnen auch eine fundierte Ausbildung anbieten.
     
  4.  Umgang mit Hass und Hetze muss Teil der Ausbildung sein: Dass Journalisten immer häufiger Anfeindungen ausgesetzt sind, mache den Beruf unattraktiv. Schon Berufseinsteiger müssten daher lernen, mit Angriffen umzugehen.
     
  5. Die Ausbildung muss auf dem aktuellen Stand sein: Der Nachwuchs brauche Kompetenzen für die neuen Jobprofile, die in der Branche entstehen. Bislang hinke die Ausbildung zu oft der Entwicklung hinterher.

Den ausführlichen Bericht lesen Sie in der September-Ausgabe des journalists. Neugierig? Dann hier kostenloses Probeheft bestellen.

 

 

Die Redaktion - 3.9.2019