Influencer
PR setzt auf Journalisten
Trendreport von News Aktuell: Journalisten sind für PR-Profis immer noch die wichtigsten Influencer. (Foto: journalist)

Die Bedeutung sogenannter Influencer auf Youtube und Instagram nimmt zu. Aber für PR-Profis haben Journalisten nach wie vor die größte Relevanz. Das zeigt der Trendreport 2019, den die dpa-Tochter News Aktuell präsentierte.

von Monika Lungmus

Journalisten sind trotz ihres vielfach beschworenen Bedeutungsverlustes für PR-Profis nach wie vor die wichtigsten Ansprechpartner. Sogenannte Influencer bei Instagram oder Youtube haben für Pressestellen und PR-Agenturen dagegen nur eine geringe Bedeutung. Das ist eines der zentralen Ergebnisse des aktuellen Trendreports, den die dpa-Tochter News Aktuell kürzlich nach einer Online-Befragung von insgesamt mehr als 1.500 Teilnehmern präsentiert hat. Neben mehr als 500 Mitarbeitern aus Pressestellen und PR-Agenturen hatten sich auch mehr als 900 Journalisten und rund 100 Social-Media-Influencer an der im März durchgeführten Befragung beteiligt.

Konkret gaben 86 Prozent der Pressesprecher und PR-Experten an, dass Journalisten für ihre Arbeit mit Abstand die größte Bedeutung haben. Nur 24 Prozent waren der Meinung, dass Blogger für die Unternehmenskommunikation relevant seien, und lediglich 18 Prozent sprachen Social-Media-Prominenten eine bedeutende Rolle zu. Wobei PR-Agenturen insgesamt deutlich mehr auf Influencer bei Instagram und Youtube setzen (30 Prozent) als Pressestellen (11 Prozent).

Thomas Dillmann, Chefredakteur des PR-Journals, hat eine einleuchtende Erklärung dafür, dass Journalisten für die PR-Branche immer noch an oberster Stelle stehen: „Ich glaube, es liegt daran, dass für viele Pressesprecher und PR-Profis, die in traditionellen Unternehmen arbeiten, die mediale Reichweite nach wie vor die wichtigste Währung ist“, sagte er dem journalist. „Beim Vorstand zählt, ob die Botschaft in überregionalen Medien stattfindet, nicht ob sie von einen Youtuber verbreitet wird.“ Zwar werde Social Media zunehmend wichtiger, aber bei der Reichweite könne Social Media nicht mit den klassischen Medien mithalten. Selbst Rezo habe für sein Youtube-Video über die „Zerstörung der CDU“ nur deshalb fast 16 Millionen Aufrufe erzielen können, weil klassische Medien wie etwa die Tagesschau auf ihn aufmerksam gemacht hätten.

Ähnlich kommentiert Volker Thoms, Chefredakteur des Magazins Pressesprecher: „Kampagnen und Debatten starten zwar häufig in den Social Media. Große Reichweiten erzielen sie meist erst dann, wenn Leitmedien und damit Journalisten sie aufgreifen und weiterverbreiten“, so Thoms. „Enger Kontakt zu Journalisten bleibt deshalb für Unternehmen, Verbände, NGOs und Institutionen unabdingbar, insbesondere wenn es um ‚harte‘ Themen wie Wirtschaft und Politik geht.“

Für News-Aktuell-Geschäftsführerin Edith Stier-Thompson ist das nach wie vor hohe Maß an Glaubwürdigkeit auch ein Grund dafür, dass Journalisten für die PR-Branche immer noch die mit Abstand wichtigsten Ansprechpartner sind. Dies beruhe im Übrigen auf Gegenseitigkeit. Das zeige die regelmäßig durchgeführte Umfrage unter Journalisten. Edith Stier-Thompson: „Die vermeintlich tote Pressemitteilung ist für die überwiegende Mehrheit der Redakteure – konkret: 86,3 Prozent – weiterhin eine der wichtigsten Recherchequellen, neben dem persönlichen Gespräch.“

Die Redaktion - 12.9.2019