Neustart bei Buzzard
Crowdfunding: Im November sammelt das Team des Debattenportals Buzzard Geld für einen Neuanfang.

Die Debattenplattform The Buzzard hat vor einigen Wochen ihr bisheriges Erscheinen eingestellt. Nun ist ein Neustart geplant – mit einem großen Crowdfunding. Ziel ist es, eine Smartphone-App zu entwickeln, die das vielfältige Meinungsspektrum der Gesellschaft abbildet.

von René Martens

„Wir dürfen nicht akzeptieren, dass Menschen in Paralleluniversen leben
und die Gesellschaft immer weiter auseinanderdriftet.“ Das ist die Maxime, mit der Felix Friedrich und Dario Nassal für ihr Start-up The Buzzard werben. Dass die Algorithmen von Facebook und Co. die Beiträge so vorsortieren, dass die Nutzer überwiegend mit Positionen konfrontiert werden, die ihren eigenen ähneln, halten die beiden Journalisten für fatal.

Im Juni 2017 war Buzzard an den Start gegangen, um für Nutzer unterschiedliche Beiträge zu ausgewählten politischen Themen zu kuratieren. Nun stellt die Debattenplattform eine neue Version des Angebots vor – „eine für den Smartphone-Alltag designte App, die jeden Tag dabei hilft, mit Positionen von Andersdenkenden in Berührung zu kommen“, wie das in Leipzig ansässige Team es formuliert.

Um den Plan umzusetzen, benötigt Buzzard allerdings 4.500 Mitglieder, die ein Jahr lang mindestens fünf Euro im Monat zahlen (Auszubildende und Studierende 2,50 Euro). Am 5. November startet deshalb eine fünfwöchige Crowdfunding-Kampagne. Kommen 250.000 Euro zusammen, soll die App, laut Dario Nassal „technisch bereits fertig entwickelt“, im März 2020 starten. In der Zwischenzeit wollen Friedrich und Nassal eine neue Redaktion aufbauen; fünf Personen pro täglicher Schicht sind vorgesehen. Die Redakteure sollen, anders als bisher, unter professionellen und nicht mehr unter „halbprofessionellen“ Bedingungen arbeiten, sagt Nassal.

Die tägliche Buzzard-Ausgabe soll jeweils um 17 Uhr erscheinen, mit „drei bis fünf Top-Themen des Tages“ – und dazu wiederum jeweils drei bis fünf Beiträge, die verschiedene Perspektiven aufzeigen. Warum die Neukonzeption? Man wolle mit Buzzard „die Art der Mediennutzung“ verändern, sagt Nassal. Diese „Vision“ habe sich mit dem „Prototypen“ der Plattform, mit dem man an den Start gegangen sei, nicht umsetzen lassen. Die Nutzer hätten nur dann auf Buzzard zurückgegriffen, wenn sie sich für bestimmte Themen interessierten, die Plattform aber nicht täglich genutzt.
Das soll künftig anders werden.

Für das Crowdfunding hat Buzzard einige bekannte Kolleg*innen als Testimonials gewonnen – etwa den ARD-Wetterexperten Karsten Schwanke, den Brüsseler ZDF-Korrespondenten Stefan Leifert und den freien Journalisten Richard Gutjahr. „Ich halte ein Angebot wie Buzzard fast schon für überlebenswichtig. Denn der öffentliche Diskurs, dem wir alle ausgesetzt sind, wird ja immer radikaler, und unsere Gesellschaft wird nicht unbedingt gesprächsbereiter“, sagt etwa Gutjahr. Wie Maria Exner, Vize-Chefredakteurin von Zeit Online, gehört er dem neuen Beirat von Buzzard an. Zweimal pro Jahr will die Redaktion mit den Mitgliedern des Gremiums diskutieren, inwieweit die eigenen Auswahlkriterien möglicherweise neu formuliert werden müssen.

Die wichtigste Frage in diesem Kontext lautet, welche Richtlinien man sich für die Auswahl der Perspektiven gibt. Das damit verknüpfte Problem ist allgegenwärtig: Wie bildet man grenzwertige Positionen vom rechten Rand ab, ohne sie salonfähig zu machen? Wer sich „im Rahmen unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung“ bewege, werde bei Buzzard nicht außen vorgelassen, sagt Nassal. An der Verbreitung von „Hass und Hetze“ werde man sich aber nicht beteiligen.

Die Redaktion - 6.11.2019