Journalismus-Studium
Man muss nicht jede Schraube an einem Panzer kennen
Eric Chauvistré, Vorsitzender des Instituts für Journalismus, hat zusammen mit der Studiengansleiterin Elke Grittmann den neuen Masterstudiengang aufgebaut (Foto: Chauvistré)

An der Hochschule Magdeburg-Stendal bereitet ein neuer Journalismus-Masterstudiengang mit der Vertiefung Internationale Konflikte erstmals gezielt auf die Berichterstattung über Kriege, Rüstungspolitik und Konfliktlösung vor. Ein Gespräch mit Eric Chauvistré, der die Idee dafür hatte.

Interview von Monika Lungmus

journalist: Herr Chauvistré, Sie hatten am Magdeburger Institut für Journalismus die Idee für das Profil „Internationale Konflikte“ im neuen Masterstudiengang Journalismus, der im Wintersemester an der Hochschule Magdeburg-Stendal startet. Wieso braucht es dieses sehr spezielle Angebot?
Eric Chauvistré: Wir leben in Zeiten zunehmender globaler Spannungen. Auch Deutschland ist in viele Konflikte involviert, sei es politisch, wirtschaftlich oder auch militärisch. Redaktionen müssen sich deshalb verstärkt mit den Ursachen und Lösungsmöglichkeiten internationaler Konflikte befassen. Es gibt aber nur wenige Journalistinnen und Journalisten, die hinreichend darauf vorbereitet sind und fundiert und dauerhaft berichten. Insofern wollen wir hier eine Lücke füllen.

Was lernen die angehenden Journalisten konkret?
Zum einen gibt es Seminare, die den angemessenen Umgang mit Quellen und Akteuren bei der Berichterstattung über bewaffnete Konflikte und militärpolitische Entscheidungen thematisieren. Zum anderen gibt es Seminare und Vorlesungen, die die Grundlagen aus den Disziplinen Konfliktforschung, internationale Beziehungen und Rüstungskontrollforschung vermitteln.

Reicht das Studium tatsächlich aus, um eine Expertise auf diesem großen Fachgebiet zu erlangen?
In jedem Semester sind zwei Seminare mit jeweils zwei Semester-Wochenstunden dem Schwerpunkt „Internationale Konflikte“ gewidmet, hinzu kommen rechercheintensive Lehrredaktionen zu dem Themenkomplex. Aber natürlich kennt man sich nach Abschluss des Studiums nicht auf allen Gebieten der Konfliktforschung und Militärpolitik aus. Doch darauf kommt es auch nicht an. Es geht nicht darum, dass die angehenden Fachjournalisten jede Schraube an einem Panzer oder jede Konfliktpartei in Mali kennen. Sie sollen vielmehr die Grundmuster erkennen können, sie sollen Informationen richtig einschätzen und gut einordnen können und wissen, wie sie weitere Informationen recherchieren können.

Das allgemeine journalistische Handwerk zu beherrschen, reicht nicht?
Es handelt sich um ein Politikfeld, das sehr sensibel ist, was die Informationsbeschaffung angeht. Es ist auch emotional aufgeladener als andere Bereiche. Ich denke schon, dass hier eine ganz spezielle Art des Journalismus gefragt ist. Man braucht eine gesunde Skepsis militärischer Macht gegenüber. Die Vergangenheit hat uns jedoch immer wieder gezeigt, dass Kolleginnen und Kollegen entweder zu weit vom Thema weg sind und sich gar nicht dafür interessieren oder aber zu nah dran sind. Wir brauchen Journalisten, die sich im Zweifelsfall nicht bei der Regierung, der Industrie oder den Militärs informieren müssen, die zu den Akteuren eine kritische Distanz bewahren. Derzeit gibt es in den Redaktionen nur wenig Leute, die sich dauerhaft mit diesem Politikfeld befassen.

Sie selbst haben Politologie studiert und sich auf den Bereich militärische Intervention spezialisiert, bevor sie journalistisch tätig wurden. Wieso ist ein kombinierter Studiengang, wie ihn jetzt die Hochschule Magdeburg-Stendal anbietet, der richtige Weg für künftige Journalisten?
Die Verbindung ist entscheidend. Unsere Absolventen sollen später nicht nur ihre Arbeit gut machen können, sondern sie sollen auch ihre eigene Rolle reflektieren. Letzteres ist in diesem Politikfeld ganz wichtig. Als Journalist muss man aufpassen, selbst nicht zum Teil der Kriegsführung zu werden.

Die Redaktion - 19.8.2019