Digitalabo
Madsack führt ein "+" ein
Madsack+: Im August führen alle 15 regionalen Madsack-Titel ein neues Digital-Abo-Modell ein. (Foto: journalist)

Bei der Madsack-Mediengruppe senkt sich die Bezahlschranke. Seit Juli wird bei allen Online-Auftritten der 15 regionalen Zeitungstitel ein neues Digital-Abo-Modell eingeführt. Seine Besonderheit: Alle neuen Texte bleiben in der ersten Stunde kostenfrei.

von Lars Radau

„Am 13. August soll die Mauer stehen“, sagt ein hochrangiger Madsack-Mitarbeiter flapsig. Auch wenn die Pressestelle der hannoverschen Mediengruppe diesen Termin nicht offiziell bestätigt – bereits seit Juli ist der Konzern dabei, seine Online-Angebote hinter eine Paywall zu stellen. Gestartet ist das digitale Abo-Modell zum 1. Juli mit den Titeln am Stammsitz: der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung (HAZ) und der Neuen Presse (NP). In den kommenden Wochen, heißt es in der Pressemitteilung, „folgen alle weiteren Madsack-Titel“. Inzwischen haben auch Leipziger Volkszeitung, Dresdner Neueste Nachrichten und Märkische Allgemeine die Bezahlschranke herunterlassen, Titel wie die Ostsee-Zeitung folgen. Insgesamt, so ein Sprecher, soll die Umstellung aller 15 Madsack-Zeitungstitel „im August abgeschlossen sein“. Einzelne Startdaten aber wolle man nicht kommunizieren, „weil sie sich kurzfristig verschieben könnten“.

Erkennbar wird der Bezahlzugang an einem Plus hinter dem Titel-Kürzel. In Hannover gibt es jetzt HAZ+ und NP+, in Dresden und Leipzig heißt es DNN+ und LVZ+. Madsack eigenlobt in einer Pressemitteilung das „innovative Modell“: Danach wird es eine „Nachrichten-Flatrate“ geben, die für 2,49 Euro pro Woche „vollständigen Zugriff auf die Beiträge der jeweiligen regionalen Zeitungsmarke“ bietet. Dieser Preis, auf den Monat gerechnet rund zehn Euro, entspricht dem Branchenstandard. Auch etliche andere Verlage haben sich an den Preisen von Netflix und Spotify orientiert.

Neu und nach Madsack-Angaben „ein in Deutschland bisher einzigartiger Ansatz“ ist die sogenannte Timewall: In der ersten Stunde sollen alle neu eingestellten Artikel kostenfrei zugänglich sein, erst danach greift die Bezahlschranke.

Größtes Argument für den Abschluss des Digital-Abos sollen dem Madsack-Sprecher zufolge die „relevanten regionalen und lokalen Inhalte“ der Titel sein, über das Plus-Modell gebe es Zugang zum „exklusiven Content“, den die Redakteure der jeweiligen Titel aus ihrer Region liefern. Statt Bezahlschranke möchte man bei Madsack allerdings lieber von einem „Membership-Modell“ reden: Immerhin, so der Sprecher, erhielten Plus-Abonnenten nicht nur die Inhalte, sondern beispielsweise auch „Zugang zu exklusiven Aktionen oder kostenlosen Eintritt zu Veranstaltungen ihrer regionalen Zeitungsmarke“.

So oder so: Für alle Verlage ist es eine Herausforderung, die Leser von Onlinebeiträgen zum Bezahlen zu motivieren. Bei der Madsack-Mediengruppe ist dafür seit geraumer Zeit Online-Koordinator Rüdiger Ditz unterwegs, um den Redakteuren in Schulungen unter anderem zu erklären, wie „Turboartikel“ funktionieren. Diese „Turboartikel“ sollen den Leser über die Paywall führen – die Redakteure sollen das „Schreiben fürs Web“ üben und lernen dabei laut Schulungseinladung zusätzlich „Tricks und Kniffs, um den Spannungsbogen zu verbessern und damit Leser zum Abschluss eines Digital-Abos zu bewegen“. Ob das wie geplant funktioniert, ist die spannende Frage. Der erste Trend jedenfalls scheint in die richtige Richtung zu weisen: Gemessen an den „ambitionierten Erwartungen“, so der Madsack-Sprecher, werde das Digital-Abo bei HAZ und NP bislang „gut angenommen“.

Die Redaktion - 12.8.2019