Pit Gottschalk
"Ich kriege jeden der Branche ans Telefon"
Der Gabor Steingart des Fußballs? Pit Gottschalk hat sich mit einem Fußball-Newsletter selbstständig gemacht. (Illustration: journalist)

Pit Gottschalk, einst mächtiger Sportchef bei Springer und Funke, hat sich mit dem Fußball-Newsletter "Fever Pit’ch" selbstständig gemacht. Geld verdient er damit noch nicht. Trotzdem will er jetzt eine Redaktion aufbauen. 

von Jan Freitag 

Herr Gottschalk, kann man von einem Newsletter leben? 
Pit Gottschalk: Noch nicht. Wer solch ein Projekt startet, braucht von den drei entscheidenden Rs zunächst Relevanz und Reichweite. Wann man damit auch Revenue erzielt, ist ungewiss. Weil ich mit dieser digitalen Morgenzeitung ein  Feld bestelle, das bislang unbesetzt war, mache ich mir über die Monetarisierung später Gedanken. 

Heißt das, Ihr Wechsel von der Festanstellung in die Freiberuflichkeit  hatte mit dem Newsletter gar nichts zu tun? 
Nein. Ich hatte Anfang 2016 den Auftrag von Funke, das Kompetenzcenter Sport in zwei, drei Jahren aufzubauen. Das war mir Ende 2018 gelungen. Deshalb konnte ich zurück in Hamburg zwei alte Säulen hochziehen: das Beratungsgeschäft und meine Publisher-Tätigkeit. Da ist der Newsletter nur sichtbarer Teil meiner Herzensangelegenheit – dem Sportjournalismus. Bei Funke habe ich nach wie vor einen Autorenvertrag. 

Ist es für einen Newsletter wie Fever Pit’ch genauso leicht an  Gesprächspartner und Informationen zu kommen wie bei klassischen Redaktionen? 
Teils, teils. Manche betrachten vor allem die Bedeutung des Mediums; eine Mehrheit erkennt meine Reputation aus 30-jähriger Tätigkeit. Bei Bedarf kriege ich jeden der Branche ans Telefon. Außerdem sehe ich an den Abonnenten, wer mich liest – nämlich höchste Kreise von Bundesliga, DFL und DFB. Wenn ich da jemanden etwas härter angehe, kann ich mir sicher sein, morgens um acht einen Anruf auf dem Handy zu haben. 

Das sind Ritterschläge? 
So viel Eitelkeit darf ich mir als schreibender Journalist schon erlauben, dass nicht viele von meiner Sorte eine größere Reichweite haben. 

Was im Umkehrschluss heißt: Ihr guter Name ist für viele wichtiger als der Inhalt des Newsletters? 
Vielleicht. Das erkennt man auch daran, dass mein Porträt ganz oben zu sehen ist, wenn man den Newsletter öffnet. Und es wird auch nicht Fever Pit’ch zum Doppelpass eingeladen, sondern Pit Gottschalk. Dennoch ist der Newsletter ein Versuch, zwischen all den wirklich guten Sportseiten im Internet eine unabhängige Stimme wie Gabor Steingarts Morning Briefing zu schaffen, die über den Namen funktioniert, ihren Bereich aber mit Kontext einordnet.

Und das funktioniert?
So gut, dass ich zur neuen Saison im Sommer eine Redaktion aufbauen werde. Das ist gerade in der Planung.

Mit dem Ziel, die Reputation qualitativ hochwertiger Onlinemedien gegen die Platzhirsche der Printredaktionen zu steigern und langfristig das Einkommensniveau digitaler Journalisten zu erhöhen?
Mir ist absolut daran gelegen, den angeblichen Unterschied zwischen hochwertigem Print und beiläufigem Online aufheben zu helfen; das sehe ich allerdings als Nebeneffekt. Ob der dazu führt, dass mehr Journalisten davon leben können? Von dem Druck bin ich dank meiner Beratertätigkeit und  Verlagsschulungen persönlich gottlob befreit. Deshalb muss ich derzeit auch noch nicht über Werbebanner im Newsletter entscheiden oder kostenpflichtige Mitgliedschaften. Mich treibt aber ohnehin etwas anderes an.

Nämlich?
Der Newsletter zwingt mich, inhaltlich up to date zu bleiben. Das verschafft mir einen Überblick, mit dem ich anderen – etwa in Workshops – dabei helfen kann, Ähnliches aufzuziehen.

Die Redaktion - 7.6.2019