Wikipedia
Zur Löschung vorgeschlagen
Wie journalistisch geht es auf Wikipedia zu? Unser Autor hat zwei Monate lang Erfahrungen als Wikipedia-Schreiber gesammelt. (PA/Daniel Matzenbacher, Montage: journalist)

Welche Erfahrungen macht eine neuer Wikipedia-Autor? Wer sind die Vielschreiber bei dem Online-Lexikon? Warum bleiben Autoren und Administratoren anonym? Zwei Monate lang hat journalist-Autor Matthias Holland-Letz für Wikipedia geschrieben – und dabei höchst unterschiedliche Erfahrungen gesammelt. Für ihn steht am Ende fest: Es fehlt an journalistischen Standards und an Transparenz. Ein Report über eine der einflussreichsten Internetseiten Deutschlands.

von Matthias Holland-Letz

Gelöscht! Mein Wikipedia-Artikel über „US-Chemiewaffen in Panama“ existiert nicht mehr. Der Text erläutert, dass US-Militärs in Panama ab 1944 Tests mit Senfgas, Chlorcyan, Butan und Blausäure durchführten. In den 1960ern versprühten sie zu Testzwecken Agent Orange. Ich schrieb, dass viele US-Soldaten, die in den 1960er Jahren in Panama dienten, bis heute von Erkrankungen berichten. Chemiebomben-Blindgänger wurden bis 2016 bei Bauarbeiten entdeckt. Zum Artikel gehören Zwischenüberschriften, Fußnoten, Literaturangaben. Einen Tag nach Fertigstellung, am 25. Januar, entdecke ich: Wikipedia-Nutzer „JPF“ hat den Text „zur Löschung vorgeschlagen“. Begründung: „Newsticker“. Mein Text sei also lediglich eine Nachricht, kein enzyklopädischer Artikel von dauerhaftem Wert. Das sehe ich anders. Aber ich bin nur ein kleiner Wikipedia-Schreiber – und kann nichts ausrichten, wenn die Menschen an der Spitze der Wikipedia-Hierarchie, die Administratoren, den Daumen senken. Immerhin: Einige meiner Textabsätze wurden am 11. Februar „verschoben“ – und stehen nun, gut versteckt, in einem Artikel über die zu Panama gehörende Insel „Isla de San José“.

Anfang Januar 2019 habe ich mich bei Wikipedia angemeldet. Zum Selbstversuch. Ich möchte wissen: Wie tickt Wikipedia? Wie schwer haben es Neulinge, ihre Artikel unterzubringen? Wer entscheidet, was publiziert wird – und mit welchen Argumenten? Mein Nutzername lautet „Sibbling99“. Zuvor durchstöberte ich viele Seiten, auf denen Infos für Neulinge bereitgehalten werden. Ich lasse Begriffe wie „Wiki-Syntax“, „Hyperlink“ oder „Quelltext“ auf mich einprasseln. Allein im Januar arbeite ich an neun Tagen daran, Texte zu ergänzen, Fußnoten anzulegen, Themen zu recherchieren und Fragen an die Community zu stellen. Und ich reise, als Reporter, zum Wikimedia Deutschland e.V. nach Berlin.

Ein stattlicher Bau, fünf Geschosse, neoklassizistische Fassade, denkmalgeschützt. Im ersten Stock begrüßt mich Lisa Dittmer, 25 Jahre. Sie arbeitet als Redakteurin in der Kommunikationsabteilung von Wikimedia. Empfangstresen, lange Flure, ein mannshohes Regal ist gefüllt mit ausrangierten Lexika, als Dekoration. Hier am Tempelhofer Ufer 23/24 arbeiten 100 Festangestellte, darunter 40 Software-Entwickler. „Wo sitzen denn die Administratoren?“, will ich wissen. Lisa Dittmer lacht. „Das ist die Frage, die am häufigsten gestellt wird.“ Administratoren gebe es am Tempelhofer Ufer nicht. Es sei nicht erwünscht, dass Festangestellte für Wikipedia Texte erstellen oder redigieren, erklärt sie. Der Grundsatz laute, „dass wir uns nicht einmischen in das, was Freiwillige auf Wikipedia schreiben“.

Der Verein Wikimedia hat drei Aufgaben: Freiwillige unterstützen, Software entwickeln, Rahmenbedingungen für „Freies Wissen“ stärken. „Wir befassen uns mit der EU-Urheberrechtsreform“, erklärt Lisa Dittmer. Wikimedia sei gegen Upload-Filter, die das Hochladen und Verbreiten von Texten oder Fotos erschweren könnten. Aus Protest gegen die EU-Reform wurde die deutschsprachige Wikipedia-Ausgabe am 21. März für 24 Stunden abgeschaltet. Eine Entscheidung, die in der Community kontrovers diskutiert wurde. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung kritisierte: Von 4.931 stimmberechtigten Benutzern hätten sich lediglich 233 an der Abstimmung beteiligt; 139 stimmten für die Abschaltung. Es sei „eine verschwindende Minderheit, die sich für die plakative Aktion ausgesprochen hat“.

Gestrichen ohne Begründung

Nächster Schreibversuch. Ich ergänze einen Artikel, der die internationale „Better Than Cash Alliance“ beschreibt. Die Allianz plädiert für das digitale Bezahlen – und ist ein wichtiger Akteur im Streit um die Zukunft des Bargelds. Sie argumentiert: Digitale Bezahlsysteme könnten weltweit helfen, Armut zu bekämpfen. Das Bezahlen per Handy nutze etwa Menschen in afrikanischen oder asiatischen Ländern, die kein Bankkonto besitzen – sie erhielten Zugang zum Finanzsystem. Kritiker fürchten hingegen, dass Banken noch mehr Macht bekommen und dass die Überwachung des Einzelnen zunimmt. Mitglieder der „Better Than Cash Alliance“ sind Regierungen und internationale Organisationen, die UNO tritt als Kooperationspartner auf. „Gegründet wurde die Allianz 2012 von der Bill and Melinda Gates Foundation, Citi, Mastercard, dem Omidyar Network, USAID und Visa Inc.“, heißt es im Wikipedia-Artikel. Doch die Genannten sind nicht nur Gründer, sondern sie finanzieren die Allianz auch. Aus meiner Sicht eine relevante Information, die in dem Wikipedia-Artikel nicht fehlen sollte.

Ich korrigiere entsprechend und ergänze den Text zudem um die Information, dass auch Konzerne wie Coca-Cola, H&M und Unilever zur Allianz gehören. Außerdem füge ich den Abschnitt „Ziele + Begründung“ hinzu und verweise auf den Allianz-Kritiker Norbert Häring. Der Handelsblatt-Redakteur Häring schreibe, „dass die Allianz vor allem den geschäftlichen Interessen großer Unternehmen aus der Finanzbranche und der IT-Branche diene“.

Noch am selben Tag reagiert „Tohma“. Er streicht „Ziele + Begründung“ sowie den Passus über Norbert Häring wieder raus. Begründung? Keine. Der Wikipedia-Artikel liefert damit weiterhin keine Vertiefung, kein kritisches Wort. Auf der Wikipedia-Diskussionsseite bitte ich „Tohma“, seine Entscheidung zu begründen. Keine Antwort.

Wer darf mitschreiben?

Und was ist mit PR auf Wikipedia? 2018 berichtet der Journalist Marvin Oppong über Peter Wuttke, der im Auftrag von Unternehmen auf Wikipedia unterwegs ist. Wuttke betreibt die „Einfach Machen Unternehmenskommunikation GmbH“ in Hamburg. Er verheimlicht nicht, dass er PR-Mann ist. Auf Wikipedia schreibt er unter dem Benutzernamen „Einfach Machen Hamburg“. Auf seiner Kundenliste stehen die niederländische Rabobank, der Lebensmittelkonzern Bonduelle und Hubert Burda Media. Auch der Wikipedia-Text über die Tiefkühlkostfirma „Nestlé Wagner“ stammt aus Wuttkes Feder – und enthält neben Sachinformationen auch Aussagen, die nach Werbung klingen: Zum Sortiment gehörten „Mini-Pizzen, belegte Ofenbrote und Flammkuchen“. Und: „Auf heißen Vulkansteinen wurden die Pizzen bei hohen Temperaturen vorgebacken. Dadurch waren die Pizzaböden dünn und knusprig“. Nestlé Wagner sei, neben Dr. Oetker, bei Tiefkühlpizzen „Marktführer in Deutschland“.

Die Wikipedia-Administratoren sehen darin offenbar keinen Verstoß gegen das Neutralitätsgebot. Wuttke wisse, „wie die Community tickt und was man wie an Änderungen durchbringen kann“, schreibt Oppong auf Golem.de. Seit Juli 2014 habe er 590 Bearbeitungen durchgeführt, „viele davon waren Paid Edits“. Anfang 2015 sei Wuttke zweimal gesperrt worden, einmal für sechs Stunden mit der Begründung: „wiederholte Verstöße gegen den neutralen Standpunkt“. Auch Unternehmen wie der Werkzeugmaschinenhersteller Trumpf oder der Baukonzern Hochtief besitzen unter eigenem Namen ein Nutzerkonto – und dürfen, gemäß den Wikipedia-Regeln, mitschreiben und redigieren.

Ich stoße auf einen weiteren Artikel, der auf mich wie Unternehmens-PR wirkt. Er stellt eine der größten Immobilienfirmen Deutschlands vor: die „CG Gruppe“. Deren Gründer und Chef ist der Multimillionär Christoph Gröner. Ich füge dem Text ein Kapitel bei, Überschrift: „Rechtsstreit vor dem Amtsgericht Leipzig“. Gröner musste sich bis Februar 2019 vor dem Leipziger Gericht verantworten – wegen des Vorwurfs der Steuerhinterziehung und der Insolvenzverschleppung. Der Prozess wurde eingestellt, der CG-Chef verpflichtete sich, eine Geldauflage in sechsstelliger Höhe zu zahlen. Den Text ergänze ich zudem um den Abschnitt „Kontroverse um Bauprojekt in Berlin-Kreuzberg“. Und ich finde: Jetzt liest sich der Text ausgewogener. Meine Änderungen werden freigeschaltet, von „Rabanusmaurus“. Na, bitte, geht doch!

Wer schreibt für die deutschsprachige Wikipedia? „Die Mehrzahl sind Männer“, weiß Lisa Dittmer. Wikipedia versuche, mehr Frauen als Mitstreiterinnen zu gewinnen, versichert die Wikimedia-Pressefrau. Das scheint bitter nötig. Als die Buchautorin Theresa Hannig im März 2019 einen Artikel mit einer Liste deutschsprachiger Science-Fiction-Autorinnen erstellte, kam der Löschantrag prompt. „Überflüssige Liste“, urteilte der Nutzer „Wolfgang Rieger“. Das Onlinemagazin Vice.com kommentierte: „Wer entscheidet, was in unserer Gesellschaft relevant ist und was nicht, ist meistens männlich – nicht nur, aber auch auf Wikipedia.“ Die Löschung stieß auf Protest – inzwischen ist der Artikel wiederhergestellt.

Administratoren mit Spitznamen

Zu den Wikipedia-Kritikern zählt der Rechtsanwalt und Honorarprofessor Johannes Weberling. Der 60-jährige Medienrechtler leitet die Arbeitsstelle „Wiki-Watch“ an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder. Er kritisiert, dass sich die meisten der 188 Administratoren hinter Spitznamen verstecken: „Zur transparenten Demokratie gehört, dass man mit seinem Namen für seine Position einsteht.“ Weberling beanstandet zudem, „dass Meinungen in Wikipedia-Artikel rausredigiert werden, nur weil sie irgendeinem Administrator nicht in den Kram passen“. Das sei „immer schlimmer geworden“.

Beispiel: der Wikipedia-Artikel über die Europa-Universität Viadrina. Der enthalte weiterhin einen ausführlichen Absatz über eine Hochschuleinrichtung, die in den Medien wiederholt kritisiert wurde, die es jedoch „gar nicht mehr gibt“. Weberling meint das „Institut für transkulturelle Gesundheitswissenschaften“. Wissenschaftler warfen dem Institut vor, dass es Paramedizin und Esoterik aufwerte. Er wisse von Kollegen, die bei Wikipedia angemeldet sind und vergeblich versuchten hätten, diesen Passus zu korrigieren. „Das wurde immer rausgelöscht“, sagt Weberling.

Als „Sibbling99“ habe ich weitere Erfolgserlebnisse. Ohne Probleme gelingt es mir, einen Text über „Lifeplus“ zu veröffentlichen. „Lifeplus“ ist ein US-amerikanischer Anbieter von Nahrungsergänzungsmitteln, der das umstrittene Empfehlungsmarketing nutzt. Kunden empfehlen die Produkte weiter – und kassieren bei jeder Bestellung eine Provision. „Lifeplus“ ist auch in Deutschland verbreitet. 15.000 Menschen besuchten 2017 einen Kongress, den der Anbieter in Stuttgart organisiert hatte. Mein Text kommt nach drei Monaten auf mehr als 2.300 Aufrufe, wie ich auf der Artikelseite nachlesen kann. Ein gutes Gefühl.

Immer wieder löst Erstaunen aus, wie enorm fleißig manche Wikipedia-Schreiber sind. Da gibt es Konten, deren Inhaber binnen 24 Stunden bis zu 500 oder mehr Artikel-Veränderungen, sogenannte „Edits“, produzieren. Jan Apel, Pressesprecher von Wikimedia, liefert eine Erklärung: Ein Edit entstehe ja schon, wenn der Nutzer ein fehlendes Komma ersetze. Und es gebe Nutzer, die sich auf das Beseitigen von Rechtschreibfehlern spezialisiert hätten. Ich frage weiter: Kann ein Konto auch von mehreren Menschen genutzt werden? „Grundsätzlich ist das möglich, wenn Sie die Daten zum Einloggen weitergeben“, räumt Apel ein. Er erklärt, dass auch Museen, Bibliotheken oder Schulen ein Nutzerkonto angemeldet hätten. „Darauf hat nicht nur ein Mitarbeiter Zugriff.“ Es sei kein Verstoß gegen Wikipedia-Regeln – es sei denn, das Konto diene dazu, eine politische Agenda zu verfolgen. „Dann wird die Grundregel der Neutralität verletzt“, betont Jan Apel.

Manipulierte Politik-Artikel

Erfolg vor Gericht melden im Februar 2019 zwei Wikipedia-Kritiker: der Filmemacher Dirk Pohlmann und der Lehrer Markus Fiedler. Beide treten gerne in „alternativen“ Kanälen auf, etwa bei KenFM, NuoViso.TV oder RT Deutsch. Fiedler behauptet in einem Buchbeitrag, Wikipedia sei „inoffiziell ein Machtinstrument, um die Meinung der Massen in die von den Eliten gewünschte Richtung zu lenken“. Pohlmann und Fiedler attackieren den Wikipedia-Autor „Feliks“. Er manipuliere Artikel zu politischen Themen, etwa zur Partei Die Linke und zu Israel, lautet deren Vorwurf. 2018 veröffentlichten Pohlmann und Fiedler den Klarnamen von „Feliks“ im Internet. Der zog dagegen vor Gericht. Doch das Landgericht Hamburg gab den beiden Wikipedia-Kritikern in einem einstweiligen Verfügungsverfahren Recht (Aktenzeichen: 324 0 468/18). Pohlmann und Fiedler hätten vorgetragen, dass Antragsteller „Feliks“ Wikipedia-Artikel „in meinungsgeprägter Weise“ redigiere, so das Gericht. „Im Lichte dieses neuen Vortrags überwiegt (…) das öffentliche Informationsinteresse an der Identität des Antragstellers.“

Was sagt Wikimedia dazu? Pseudonyme seien „wichtig“, unterstreicht John Weitzmann, im Wikimedia-Verein zuständig für Politik und Recht. Verschiedene Akteure versuchten „sehr häufig“, Artikel ändern oder löschen zu lassen – „indem einzelne Autorinnen/Autoren oder Admins persönlich angegriffen werden, teils auch anwaltlich, mitunter sogar mittels gezieltem Stalking“. Ähnlich dürfte auch hier die Sachlage sein, so Weitzmann. Jemand sei der Ansicht, ein Artikel würde zu wenig „auf Aspekt X eingehen, während tatsächlich nur die Wikipedia-Regeln zur Neutralität durchgesetzt werden“. Die aktuelle „Enttarnung“ sieht Weitzmann von „eher symbolischer Bedeutung“. Entscheidender sei, „was die/der Einzelne an Vorsichtsmaßnahmen trifft“.

Journalistische Sorgfaltspflicht

Im August 2018 befasste sich das Landgericht Berlin mit der Online- Enzyklopädie. Alexander Waibel, Professor für Computerwissenschaften am Karlsruher Institut für Technologie, hatte geklagt. Der Artikel über seine Person enthalte falsche Tatsachenbehauptungen, fand Waibel. Das Landgericht Berlin sah das ähnlich (Aktenzeichen: 27 012/17). Auf Wikipedia war über Waibel zu lesen – mit Quellenverweis auf das ARD-Magazin Fakt –, der Wissenschaftler habe „jahrelang für ein amerikanisches Regierungsprogramm namens Total Information Awareness geforscht“. Seine Forschungen seien „zur Analyse von massenhaft aufgezeichneten Sprachdaten von amerikanischen Geheimdienst- und Militärbehörden beauftragt und genutzt“ worden. Das Landgericht Berlin stellte fest, es sei „von der Unwahrheit der angegriffenen Tatsachenbehauptung auszugehen“. Zwar war diese erstmals im ARD-Magazin Fakt verbreitet worden, doch im konkreten Fall war Waibel dessen Behauptung öffentlich entgegengetreten. Die Autoren hätten eine Sorgfaltspflicht, könnten sich nicht nur auf den Fakt-Bericht stützen.

Das Besondere: Rechtlich verantwortlich für die deutschsprachige Wikipedia ist die US-amerikanische Wikimedia Foundation. Das Landgericht Berlin erklärte sich dennoch für zuständig. Es handele sich um „eine deutschsprachige Internetseite“, besagter Artikel habe einen „über die bloße Abrufbarkeit hinausgehenden Inlandsbezug“. Es sei „deutsches Recht anzuwenden“. Inzwischen wurde der Artikel über Alexander Waibel entsprechend korrigiert.

Johannes Weberling von Wiki-Watch nennt das Urteil einen „Meilenstein“. „Für Wikipedia gelten nun journalistische Sorgfaltskriterien wie für alle anderen Medien auch“, erklärt Weberling. Wikipedia-Mann John Weitzmann sieht das anders. Professor Waibel sei es gelungen, „presserechtlich sämtliche Quellen aus dem Netz zu klagen, die die Passagen bei Wikipedia belegt hätten“. Deshalb habe die Foundation entschieden, keine Rechtsmittel gegen das Urteil einzulegen. Weitzmann bedauert: Bei Wikipedia-Autoren sei nun der Eindruck entstanden, „dass sie nun sämtliche Angaben auch von seriösen Quellen nachrecherchieren müssten“. Das sei laut Urteil nicht der Fall. „Die Wikimedia Foundation bereitet dazu gerade eine richtigstellende Stellungnahme an die Communitys vor.“ Das klingt, als ob Wikipedia weitermache wie bisher. Ich finde jedoch: Es fehlt tatsächlich an journalistischen Standards, auch an Transparenz – und einige Wikipedianer der höheren Hierarchiestufen könnten Nachhilfe in Diskussionskultur gut gebrauchen.

Matthias Holland-Letz arbeitet als freier Journalist in Köln.

 

Die Redaktion - 27.5.2019