70 Jahre DJV
Frauen im Fokus
Hanni Chill (l.): Erste Frau im DJV-Bundesvorstand (Foto: Joachim Diederichs)

Fast 40 Jahre lang wurde der Deutsche Journalisten-Verband allein von Männern geprägt. Dann kam mit Hanni Chill erstmals eine Frau in den Bundesvorstand.

von Monika Lungmus

Die Frauenbewegung im DJV kam später. Nicht 1971, als mit Wibke Bruhns zum ersten Mal eine Frau die Fernsehnachrichten präsentierte. Nicht 1975, als die Uno das Internationale Jahr der Frau ausrief, und auch nicht 1977, als die erste Ausgabe der Emma erschien. Im DJV begann die Frauenbewegung erst mit Hanni Chill, der ersten Frau im Bundesvorstand der Journalistengewerkschaft. 1987 wurde sie zunächst als Beisitzerin in das Gremium gewählt, zwei Jahre später war sie stellvertretende Bundesvorsitzende – ein Amt, das sie bis 1995 ausübte.

Mit Hanni Chill wuchs das Bewusstsein im Verband, dass es außer Männern noch ein weiteres Geschlecht im Journalismus gibt. Beim Verbandstag 1990 wurde zwar ein Antrag abgelehnt, eine Frauenquote im DJV-Führungsgremium festzuschreiben. Aber mit Heike Lambertus, damals Redakteurin der Ostfriesen-Zeitung, und Sabine Hickmann (heute: Bachert-Mertz von Quirnheim), damals Redakteurin der Sächsischen Zeitung, wurden dann doch zwei weitere Frauen in den Bundesvorstand gewählt. Dieses Gremium war zugleich auf sieben Köpfe vergrößert worden: Die Männer mussten also keinen Sitz abgeben, aber: Mit drei Sitzen hatten die Frauen beinahe schon die Hälfte des Himmels. Zumindest theoretisch.

Mit dem ersten weiblichen Trio im Bundesvorstand veränderte sich die DJV-Welt allmählich. 1993 entwickelte die neu geschaffene Kommission Gleichstellung von Mann und Frau einen Frauenförderplan, in der erstmals so etwas wie eine Quotenregelung für das Pressewesen gefordert wurde. Verlage sollten die Hälfte ihrer Volontariatsplätze mit Frauen besetzen, und nach Abschluss der Ausbildung sollten Frauen entsprechend ihrem Anteil bei den Volontären als Redakteurinnen übernommen werden. Frauen sollten zudem bei gleicher Qualifizierung in Bereichen, in denen sie unterrepräsentiert sind, bevorzugt eingestellt werden.

Die Kommission wurde 1995 in den Fachausschuss Gleichstellung und zukunftsorientierte Arbeitsmodelle umgewandelt, wobei „Gleichstellung“ keineswegs nur auf Frauen bezogen wurde. Es ging um familienfreundliche und flexible Arbeitszeiten für beide Elternteile, auch um gleiche Berufschancen für Behinderte und Schwerbeschädigte, für Migrantinnen und Migranten.

Doch der Fokus lag auf den Frauen. Was sich auch darin zeigte, dass sich der seit 1996 von Mechthild Mäsker geleitete Fachausschuss entschloss, 1998 erstmals einen Journalistinnenkongress unter dem bis heute erhaltenen Titel „Frau Macht Medien“ auszurichten. Im vergangenen Jahr fand die Veranstaltung zum zwölften Mal statt, erstmals vorbereitet von der Kommission Chancengleichheit und Diversity. Der Fachausschuss wurde nach einer Strukturreform im Jahr 2017 aufgelöst. Und Mechthild Mäsker, die ihn mehr als 20 Jahre angeführt hatte, zog sich zurück.

Dank der Bemühungen vieler engagierter DJV-Frauen hat sich der Verband langsam bewegt. 1996 beschloss der DJV, die Gleichstellung von Mann und Frau im eigenen Namen zu berücksichtigen und sich im Untertitel gendergerecht zu präsentieren als „Gewerkschaft der Journalistinnen und Journalisten“. Eine Art Frauenquote wurde dann 1997 beschlossen: Frauen sollten mindestens ein Drittel der Delegierten des Verbandstags stellen. Doch ein Antrag, die Frauenquote auch für die DJV-Gremien einzuführen, wurde 2000 abgelehnt. Immerhin: Auch 2019 gibt es mit Anne Jacobs, Kathrin Konyen, Katrin Kroemer drei Frauen im Bundesvorstand.

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Die Redaktion - 1.11.2019