70 Jahre DJV
Erich Klabunde

Er war Journalist, Politiker, Macher. Und er war der erste Vorsitzende des 1949 gegründeten Deutschen Journalisten-Verbands.

von Marina Friedt

„Ich hab’ für Erich Klabunde gejobbt!“ überrascht SPD-Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt 2010 im Film zu 65Jahre Pressefreiheit und DJV Hamburg. „Kolossal beeindruckt von einer einstündigen freien Rede zur Einbringung des Haushaltsplans 1947 in der Bürgerschaft im Hamburger Rathaus“, war Gerhard Jirjahlke, einst Vorsitzender des Hamburger DJV-Landesverbands. Ein Mann, der in den Anfangsjahren in der Geschäftsstelle der Berufsvereinigung Hamburger Journalisten (heute: DJV Hamburg) nicht oft zu sehen ist, erinnern sich Eva Prott-Klebe, damals Sekretärin, und Inge Kauffmann, eines der ersten Mitglieder.

Erich Klabunde war immer auf dem Sprung, unterwegs für den Journalistenverband, die SPD, den sozialen Wohnungsbau. Dabei wirkt der hochgewachsene Mann im grauen Anzug, mit perfekt geknoteter Krawatte und 40er-Jahre-Brille auf den wenigen verbliebenen Bildern eher wie ein ruhiger Typ. Erst im Dezember 2018 widmen ihm die Patriotische Gesellschaft und der Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen, dessen Geschäftsführer Klabunde einst war, eine Gedenktafel – vor dem mehrgeschossigen Backsteinwohnblock in Hamburg, Schlankreye 21, wo das kinderlose Ehepaar Klabunde zur Miete wohnte, wie sich Neffe Werner Matthies vor Ort erinnert.

Geboren wird der Wahlhamburger am 20. Februar 1907 in Berlin. Nach einer Banklehre studiert er ab 1926 an der Hamburger Universität quer durch die Fächer Soziologie, Kriminalpsychologie, Zeitungswissenschaften und Nationalökonomie.

Alexander Zinn, Begründer der Staatlichen Pressestelle in Hamburg und Klabundes Lehrer an der Universität, bestimmt seine erste Berufswahl: Journalist. Zinn vermittelt ihn an den Hamburger Anzeiger, dem er bis 1933 angehört. Wegen seiner Mitgliedschaft im Sozialistischen Studentenbund muss er die Redaktion verlassen. Zunächst findet er Arbeit bei einem Wirtschaftsprüfer, später wird er Schriftleiter der Zeitschrift des Deutschen Nähmaschinen-Verbandes und Mitglied der Geschäftsführung.

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs holen ihn die Engländer in die erste von ihnen eingesetzte Hamburger Bürgerschaft. Klabunde wird sozialdemokratischer Fraktionsvorsitzender. Er nimmt auch wieder Kontakt auf zu den alten Journalistenfreunden. Auf sein Betreiben hin gründen sie am 23. November 1945 die Berufsvereinigung Hamburger Journalisten – Klabunde wird deren erster Vorsitzender. Fast vier Jahre später, im Dezember 1949, wird er zum ersten Vorsitzenden des von zwölf Landesverbänden gegründeten Deutschen Journalisten-Verbands gewählt. Kurz zuvor war er in den ersten Deutschen Bundestag eingezogen. Im Hauptausschuss des Nordwestdeutschen Rundfunks (NWDR) ist er maßgeblich am Aufbau eines demokratischen Rundfunks beteiligt. Zudem setzt er sich für Hunderttausende ein, die kein Obdach haben, und gilt heute als ideeller Architekt des sozialen Wohnungsbaus.

Er sei ein „starker Motor“ gewesen, „der auf übervollen Touren lief“, schrieb Erich Lüth 1971 über seinen Zeitgenossen und Weggefährten Klabunde. Alle Warnungen, langsamer zu agieren, schlug er in den Wind. Klabunde stirbt am 21. November 1950 in Bad Pyrmont an den Folgen eines Gehirnschlags – er wurde nur 43 Jahre alt. Er habe einen offenen Blick und ein offenes Herz für die Probleme der Menschen seiner Zeit gehabt, sagt man ihm nach. „Er hat immer Farbe bekannt und den Dingen, die er vertrat, Farbe gegeben“, so Lüth. Der DJV Hamburg hält die Erinnerung an ihn mit dem Erich-Klabunde-Preis für sozial engagierten Journalismus lebendig.

Marina Friedt ist freie Journalistin und Vorsitzende des DJV Hamburg.

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Die Redaktion - 1.11.2019