Automatisierter Kontrollverlust

Künstliche Intelligenz kann den Alltag von Journalisten erheblich erleichtern, etwa im Bereich der Spracherkennung. Allerdings gilt es, auf Probleme des Daten- und Informantenschutzes zu achten. (Foto: journalist)

Mit Künstlicher Intelligenz können Journalisten zum Beispiel Interviews in Sekundenschnelle transkribieren lassen. Doch Experten warnen vor einem unbedachten Einsatz von Transkriptionsdiensten.

Transkriptionsdienste wie Auphonic, Descript oder Trint können eine wertvolle Hilfe für Journalisten sein. Denn man kann viel Zeit sparen und seine Interviewdateien und O-Töne in Sekundenschnelle in Textform bringen. Doch die Sache hat einen Haken: Im Kleingedruckten lassen sich die Anbieter meist das Recht einräumen, die Inhalte auch für andere Zwecke nutzen zu können, sie zu speichern oder mit Dritten zu teilen. So stimmen etwa die Nutzer von Auphonic mit ihrem Häkchen zu den AGB unter anderem zu, dass ein Mitarbeiter der Firma oder jede andere damit vertraglich beauftragte Person sich die Inhalte zur Verbesserung der Algorithmen anhören kann.

Aus Sicht von KI-Forscher Florian Gallwitz ist das nicht überraschend. Zwar verbirgt sich hinter dem Schlagwort „Künstliche Intelligenz“ zunächst nichts anderes als eine systematisierte Auswertung einer immensen Datenmenge - je mehr Daten, desto treffsicherer das System. Aber gerade im Bereich der Spracherkennung ist die Sache komplexer. Denn hat eine Künstliche Intelligenz mit 10.000 Datensätzen von bayerisch sprechenden Menschen gelernt, wird sie ein Interview nur schwer in Hochdeutsch transkribieren. Gallwitz: „Wir müssen uns klarmachen, dass eine solche ‚Intelligenz‘ nicht selbstständig lernt, sondern trainiert wird – und zwar von Menschen.“

Journalisten sollten sich nicht nur bewusst machen, dass am anderen Ende auch Menschen sitzen. Sie sollten auch daran denken, dass reich gefüllte Datenmengen ein attraktives Ziel von Hacker-Angriffen darstellen und dass die bei einem Transkriptionsdienst gespeicherten Daten auch bei Strafermittlern landen können. Experten warnen Journalisten daher vor einem unbedachten Einsatz dieser Onlinedienste, die oft kostenlos angeboten werden. Problematisch sei die Nutzung eines Transkriptionsdienstes beispielsweise, wenn Teile eines Interviews als „unter Drei“ gekennzeichnet sind, wenn es sich um ein Hintergrundgespräch handelt oder wenn der Informantenschutz gefährdet sei. „Solche vertraulichen oder sensiblen Daten sollten Journalisten auf keinen Fall hochladen“, rät etwa Simon Haug, Justiziar bei Burda und Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Verlagsjustiziare.

In der Dezember-Ausgabe des journalists lesen Sie die ausführliche Analyse zum Stand der Spracherkennungssoftware. Darin haben unsere Autoren Daniel Moßbrucker und Annkathrin Weis bei allen öffentlich-rechtlichen Sendern nachgefragt, wie sie mit dem Thema umgehen. Neugierig? Dann hier entlang.

 

Die Redaktion - 7.12.2018