Floskel des Monats: grünes Licht

Im Kinofilm Rambo aus den 1980er Jahren gibt es eine wundervolle Szene, in der ein Waffenverkäufer ein Knicklicht aufhebt und den Protagonisten fragt, was das sei. „Das ist blaues Licht“, antwortet Sylvester Stallone. Der Söldner hakt nach: „Und was macht das?“ – darauf sagt Rambo: „Es leuchtet blau.“

Mit einer ähnlichen Wucht schlagen Journalisten mit dem grünen Licht zu: „Grünes Licht für Bio-Hähnchenmaststall“, titelte im vergangenen Monat eine Zeitung aus Hessen – und wir hoffen, dass sich dies nicht auf die Eier abfärbt. Ebenfalls aus Hessen stammt diese Überschrift: „Stadt will grünes Licht zum Blaulicht-Bau.“ In Niedersachsen erhalten Mülltonnen wohl eine neue Innenbeleuchtung, denn dort erleuchtete im September „Grünes Licht für die gelbe Tonne“. Gewiss, die Tage werden ja auch wieder kürzer! Und im gleichen Bundesland lautete eine Schlagzeile: „Grünes Licht für rote Signale“ – der Autor leidet wohl an einer Rot-Grün-Sehschwäche.

Ein grünes Licht signalisiert einen Start. Jetzt geht’s los! Gewiss muss man nicht jede Schlagzeile mit dieser Floskel kritisieren. Doch das grüne Licht ist grundsätzlich überstrapaziert und selten zeigt sich eine Floskel derart farblos, langweilig und ganz offensichtlich.

Deutsch ist eine faszinierende, da komplexe und durch viele Sprachbilder versetzte Sprache. Doch gerade dann, wenn das Bild schiefer als der Torre Pendente in Pisa und unverständlicher als Sarrazins Schriften ist, stellt sich die Frage, ob es nicht möglich ist, einen normalen Satz zu schreiben. Das grüne Licht ist ein Synonym für Zustimmung oder Genehmigung – und gelegentlich wäre es doch wunderbar, dies nüchtern in Nachrichtentexten so zu formulieren.

Für den journalist analysiert das sprach- und medienkritische Webprojekt Floskelwolke.de von Sebastian Pertsch und Udo Stiehl in jeder Ausgabe eine Floskel oder Phrase, mit der Journalisten im Monat zuvor besonders häufig danebenlagen.

 

Die Redaktion - 8.10.2018