Floskel des Monats: nachbessern

„Denken Sie positiv!“ – Mit dieser Maxime lassen sich nicht nur 600 Seiten starke Bücher zur Lebenshilfe schreiben. „Positiv“ ist auch das Zauberwort der Kommunikationsberater für Politik und Wirtschaft. Deshalb ist bei einer geplanten Gesetzesänderung genau davon nicht mehr die Rede. Die Ministerin oder der Minister verkündet stattdessen, das Gesetz werde „nachgebessert“. Trickreich wird uns die Steigerungsform von „gut“ untergejubelt, verbunden mit dem Bild: Was bisher schon gut war, wird jetzt noch besser. Ob es nach der Gesetzesänderung wirklich eine bessere Rechtslage gibt, diese Frage wird unterschwellig gleich mit Ja beantwortet.

Das gleiche Kunststück vollziehen die Sprachakrobaten der Lebensmittel-industrie. Die „verbesserte Rezeptur“ versteckt meist, dass natürliche gegen synthetische Aromastoffe ausgetauscht wurden. Software wird laufend mit Updates nachgebessert, nach dem Prinzip Banane: Produkt reift beim Kunden.

Es funktioniert auch gut für Aktionskünstler. Kürzlich erst machte sich Bundeswirtschaftsminister Altmaier auf dem Weg in die Bundesnetzagentur, um dort pressewirksam zu erläutern, wie er den Bau von neuen Stromtrassen zu beschleunigen gedenkt. Er sprach nicht von „nachbessern“, sondern zog etwas noch Wortgewaltigeres aus der Aktentasche: einen Aktionsplan! Und der ging, zumindest medial, auf. Fast überall war zu hören und stand zu lesen, der CDU Politiker habe nun „seinen Aktionsplan zur Energiewende“ vorgelegt. Das klingt doch mal nach einem Macher!

Übertroffen wurde das nur von seinem Ministerkollegen Seehofer. Der CSU-Vorsitzende gab sich wenig überraschend mit dem Etikett des „Machers“ nicht zufrieden. Er machte sich zum Master. Unwidersprochen. Und so ging Seehofers „Masterplan Migration“ ohne jegliche Spracheinschätzung der Redaktionen in die Berichterstattung.


Für den journalist analysiert das sprach- und medienkritische Webprojekt
Floskelwolke.de von Sebastian Pertsch und Udo Stiehl in jeder
Ausgabe eine Floskel oder Phrase, mit der Journalisten im Monat
zuvor besonders häufig danebenlagen.

Die Redaktion - 5.9.2018