Was ist da los, Zeit, Spiegel, Stern?

journalist-Chefredakteur Matthias Daniel (Foto: journalist)

"Ernsthaft, Zeit, Spiegel, Stern?" fragt journalist-Chefredakteur Matthias Daniel im August-Editorial. Wer bestimmt hier eigentlich die Agenda der öffentlichen Debatte?

Was ist da los? Die Zeit veröffentlicht ein Pro und Contra ("Oder soll man es lassen?") zur Rettung von Flüchtlingen, bei dem man annehmen muss, die Menschenwürde sei ein verhandelbares Gut. Der Spiegel lässt Schwarz, Rot und Gold auf dem Titel zerfließen und endzeitfabuliert dazu: "Es war einmal ein starkes Land". Als sei jetzt alles verloren.

Und der Stern druckt ein Cover ("Das zerrissene Land – Der Mordfall Susanna F. und das Ende von Merkels Flüchtlingspolitik“), das man ohne das Magazin-Logo auch für ein AfD-Plakat halten könnte. In der Titelgeschichte schreiben die Autoren: „Und so verquickt sich alles in diesen Tagen, was eigentlich trennscharf zu behandeln wäre.“ Hätte sich die eigene Redaktion mal daran gehalten.

Ernsthaft. Was ist da los, Zeit, Spiegel, Stern?

„Populistische Magazin-Cover und lustvoller Krisensound – das erzählt viel darüber, wie der Rechtspopulismus hierzulande wirkt“, schreibt journalist-Autor Michael Kraske in unserer Titelgeschichte. Sein Eindruck: Rechtspopulismus breitet sich nicht nur in Europa und in der CSU aus, sondern führt auch zunehmend Journalisten in Versuchung.

Versuchung hin, Zuspitzung her. Wer bestimmt hier eigentlich die Agenda der öffentlichen Debatte? Ton und Themen vieler Medien zeigen, dass es uns immer noch nicht vernünftig gelingt, journalistisch souverän mit der AfD und vor allem dem AfD-Gedankengut umzugehen. Geradezu verständnisvoll und vorauseilend berücksichtigen wir Positionen, die jenseits des demokratischen Grundkonsenses liegen. Dazu müssen AfD-Politiker nicht mal in eine Talkshow eingeladen werden oder selbst in einem Text zu Wort kommen. Journalisten denken dessen mögliche Positionen längst mit. Und müssen aufpassen, dabei nicht unverrückbare Grundwerte zu verrücken.

Monitor-Chef Georg Restle formuliert das im journalist-Interview etwas plakativer. „Wir haben in diesem Land weder eine Asylkrise noch steht uns eine Islamisierung bevor. Wer allen Ernstes meint, aus Deutschland würde in den kommenden Jahrzehnten Saudi-Arabien werden, hat nicht mehr alle Tassen im Schrank. Das sollte man auch so deutlich sagen, statt immer wieder auch noch die irrationalsten Sorgen irgendwelcher Bürger zu verstärken, weil man meint, sie ernst nehmen zu müssen.“

Zeit, zum rechten Maß zurückzukehren.

 

Matthias Daniel - 1.8.2018