Floskel des Monats: Multijobber

Wenn ein Job nicht zum Leben ausreicht, sprechen Euphemisten gerne von Multijobbern. Rund 3,3 Millionen Menschen in Deutschland und damit fast jeder zehnte Arbeitnehmer hatte im vergangenen Jahr mindestens zwei Jobs.

Seit einigen Jahren schleicht sich übrigens ein Synonym in die deutsche Sprache ein: Als wäre der Mulitjobber nicht schon verwegen genug, ist nun das Slashing ein Trend. Seit 2007 schwappt der neue Euphemismus in Wellen, klar, aus den USA nach Europa und hat sich, eher unklar, in Frankreich schon zu einem festen Begriff in der Arbeitswelt gemausert. Es bleibt nur eine Frage der Zeit, bis der verheerende Feldzug die deutsche Hauptstadt erreicht.

Ob nun Multijobbing oder Slashing, beide Begriffe verschleiern, dass die meisten Arbeitnehmer mit mehreren Arbeitgebern eben nicht vorzüglich davon leben können – selbst dann nicht, wenn sie 40 Stunden pro Woche arbeiten. Sie haben im Gegenteil mehrere Beschäftigungen, um über überhaupt über die Runden zu kommen.

Nun handelt es sich bei Multijobs, ähnlich wie Datendiebstahl, Geisterfahrer und Luftschlag, um einen fest etablierten Begriff, den – unabhängig seiner inneren Logik – jeder kennt. Allerdings gibt es kaum bessere, zumindest keine knackigere Schreibweisen. Autoren sollten sich beim Schreiben der Problematik hinter dem Wort deshalb stets bewusst sein – und entsprechend im Kontext richtig einordnen.

Für den journalist analysiert das sprach- und medienkritische Webprojekt
Floskelwolke.de von Sebastian Pertsch und Udo Stiehl in jeder
Ausgabe eine Floskel oder Phrase, mit der Journalisten im Monat
zuvor besonders häufig danebenlagen.

Die Redaktion - 1.6.2018