Kaum Anfragen nach dem neuen Gesetz

journalist-Titelthema im April: Die Lohnlücke im Journalismus (Bild: journalist)

Auch im Journalismus gibt es einen Gender Pay Gap: Frauen verdienen weniger als Männer. Allerdings ist die Datenlage für die Branche dünn. Medienunternehmen melden bislang nur "vereinzelte Anfragen" nach dem Entgelttransparenzgesetz.

Freie Journalistinnen verdienen rund 25 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Das berichtet das Medienmagazin journalist in seiner Titelgeschichte über den Gender Pay Gap und bezieht sich dabei auf Daten der Künstlersozialkasse (KSK). Die Männer unter den knapp 43.000 Versicherten, die bei der KSK im Wort-Bereich gemeldet sind, verfügen demnach im Schnitt über ein Jahreseinkommen von 23.400 Euro, während die Frauen nur auf 17.491 Euro kommen. Der journalist weist aber darauf hin, dass es sich bei diesen Zahlen nur um die zu Jahresbeginn geschätzten Honorar-Einnahmen handelt. Zudem sei offen, wie viel Zeitaufwand und welche Art von Arbeit konkret geleistet wurde.

Während das Statistische Bundesamt für ganz Deutschland eine geschlechtsspezifische Lohnlücke von 21 Prozent feststellt, ist die Datenlage im Journalismus eher dünn, wie der journalist betont. Dank des neuen Entgelttransparenzgesetzes können Angestellte zwar seit Jahresanfang bei ihrem Arbeitgeber in Erfahrung bringen, ob sie in ihrem Unternehmen für die gleiche Arbeit auch das gleiche Geld bekommen wie die Mitarbeiter des anderen Geschlechts. Doch nach journalist-Recherchen wurde in großen Medienunternehmen davon bislang nur vereinzelt Gebrauch gemacht.

"Die ZDF-Personalabteilung hat bisher kein Auskunftsverlangen nach dem Entgelttransparenzgesetz erreicht", heißt es aus der Pressestelle des ZDF. Die Verlage Axel Springer sowie Gruner+Jahr sprechen von "vereinzelten Anfragen", die sie bislang erhalten haben. Details nennen die Verlage nicht. "Jeder Einzelfall bedarf der Prüfung, ob ein Auskunftsanspruch gegeben ist", betont der Springer-Verlag.

Auch beim Deutschen Journalisten-Verband (DJV) sind bislang konkrete Fälle von Lohndiskriminierung aufgrund des Geschlechts nicht bekannt. Man rufe aber Journalistinnen dazu auf, ihren Auskunftsanspruch wahrzunehmen und sich gegebenenfalls zu melden. "Je mehr Fälle und Zahlen uns vorliegen, desto besser können wir als Gewerkschaft gegen den Gender Pay Gap aktiv werden", sagt Anna-Maria Wagner vom DJV-Referat Chancengleichheit und Diversity.

Neugierig auf den journalist? Hier geht es zum Probeabo. Geschlechtergerechtigkeit und Gender Pay Gap sind auch zentrale Themen der DJV-Konferenz "Frau Macht Medien" am 14. und 15. April in München.

 

Die Redaktion - 3.4.2018