Hans Leyendecker
"Zur Bescheidenheit zurückfinden“
Hans Leyendecker sieht Claas Relotius nicht nur als Täter, sondern auch als „Opfer des Hypes um Journalistenpreise". (Foto: Alessandra Schellnegger/SZ )

„Wir müssen zu mehr Bescheidenheit zurückfinden.“ Das empfiehlt Hans Leyendecker seiner Branche mit Blick auf den Fall Relotius. Leyendecker, der früher beim Spiegel und zuletzt bei der Süddeutschen Zeitung gearbeitet hat, sieht Claas Relotius nicht nur als Täter, sondern auch als „Opfer des Hypes um Journalistenpreise“. Relotius, der allein vier Mal den Deutschen Reporterpreis gewann, habe mit seinen Geschichten perfekt die Erwartungen von Publikum und Redaktionen bedient, so Leyendecker im Interview mit dem journalist. „Wenn er für die Weltwoche schrieb, hatte er den Weltwoche-Sound. Als Autor für die NZZ am Sonntag nahm er einen anderen Blickwinkel ein“, so Leyendecker. Und wenn er für den Spiegel geschrieben habe, habe Relotius darauf geachtet, genau dessen Erwartungen zu erfüllen.

Leyendecker: „Bei aller Kritik an seinen gefälschten, erfundenen und manipulierten Reportagen müssen wir berücksichtigen, dass er mit jedem Detail, jedem Zitat und jedem Bild etwas evident gemacht hat, das zu einem Stück unser eigenes Klischee manifestiert.“

Juroren von Journalistenpreisen sollten ihre Maßstäbe relativieren und „nicht das Beste, das Schönste, das Widerspruchfreieste zum besten Stück küren, sondern häufiger Stücke honorieren, die die Komplexität der Welt widerspiegeln“. Es komme darauf an, „dass die Widersprüche wieder deutlicher gemacht und zukünftig wesentlich mehr Wert daraufgelegt wird, auch die unterschiedlichen Richtungen in Geschichten zu integrieren“, so Leyendecker im journalist. "In der Realität gibt es Ecken und Kanten.“

Das komplette Interview mit Hans Leyendecker lesen Sie in der Jan/Feb-Ausgabe des journalists. Neugierig? Dann hier entlang.

 

Die Redaktion - 23.1.2019