„Wenn alles gut geht, starten wir mit einer Rakete“

„Auf Augenhöhe“, das ist das Leitmotiv der Republik – mit Textchef Ariel Hauptmeier (vorne rechts). Im Januar geht es los. Foto: project-r.construction für republik.ch

Am 15. Januar geht das von Constantin Seibt erdachte Schweizer Digitalmagazin Republik online. Die Erwartungen sind riesig, denn kein anderes Crowdfunding-Projekt im Journalismus konnte jemals so viel Geld einsammeln. Textchef Ariel Hauptmeier erzählt, wie es kurz vor dem Start in der Redaktion zugeht.

von Catalina Schröder

Der Druck ist groß, darum will Ariel Hauptmeier nicht herumreden. 7,15 Millionen Schweizer Franken haben die Macher der Republik eingesammelt: durch Spenden, Investoren und Mitgliedsbeiträge. Kein anderes journalistisches Start-up hat je so viel Geld bekommen. Und schon lange hat keines mehr solch hohe Erwartungen geweckt. „Und diese Erwartungen führen dazu, dass wir uns immer wieder hinterfragen“, sagt Hauptmeier.

Seit Mitte September gehört Hauptmeier, Mitgründer des Reporter-Forums und zuvor Textchef bei Correctiv und Redakteur bei Geo, zur Republik-Redaktion. Seine Euphorie für das Projekt ist sogar durchs Telefon spürbar: „Wann passiert es schon mal, dass tolle Journalisten mit guten Ideen zusammensitzen und dann auch noch viel Geld haben?“ Bis zum Start im Januar sollen zehn Redakteure der Republik eingestellt sein. Weitere Kollegen werden später dazu kommen und ab Mitte des Jahres ein neues, noch geheimes Produkt.

Zur Erinnerung: Erfinder der Republik ist Constantin Seibt, Ex-Reporter beim Schweizer Tages-Anzeiger. Er sah die Demokratie in Gefahr, als immer mehr Verlage mit Medien kein Geld mehr verdienen konnten, kündigte seinen Job und gründete die Republik. Die soll nun unabhängigen, werbefreien (Online-)Journalismus für die deutschsprachige Schweiz liefern. Etwa drei Texte sollen täglich veröffentlicht werden. Statt jeder Neuigkeit hinterherzujagen, sollen Geschichten vor allem ausgeruht erzählt werden.

Redet man mit Ariel Hauptmeier, zieht sich ein Ausdruck wie ein Leitmotiv durch das Gespräch: „auf Augenhöhe“. Auf Augenhöhe sein will die Redaktion vor allem mit ihren Lesern. Alle zwei Wochen diskutieren Mitglieder der Redaktion schon jetzt auf einem öffentlichen Podium in Zürich darüber, was Journalismus leisten kann und sollte.

Etwa 200 Menschen sitzen laut Hauptmeier an diesen Abenden im Publikum und die will man ernst nehmen: „Die öffentliche Debatte – online und offline – ist ein wichtiger Teil des Konzepts. Wir wollen unsere Themen in die Gesellschaft hineintragen. Wir wollen ein Salon sein, in dem sich Menschen austauschen“, sagt Hauptmeier.

Miteinander auf Augenhöhe sein will man auch in der Redaktion: Dort verdienen alle Redakteure das Gleiche (8.000 Franken), Volontäre bekommen die Hälfte. Statt von einem festen Chefredakteur soll die Redaktion künftig alle drei Monate von jemand anderem geleitet werden.

Momentan läuft das Team sich warm. Ab Dezember treffen sich die Redakteure täglich zu Konferenzen – und graben nach Themen, die in der Luft liegen. Erste Geschichten sind bereits beauftragt – ein Moment, in dem Hauptmeier als Textchef eine entscheidende Rolle spielt: „Verunglückte Texte lassen sich kaum retten, deshalb wollen wir mit unseren Autoren die richtigen Fragen erarbeiten, bevor sie aufbrechen.“

Für sehr aufwendige Recherchen stehen in einem gesonderten Fonds im Jahr 60.000 Schweizer Franken zur Verfügung. Den ersten daraus finanzierten Auftrag hat Ex- Spiegel-Redakteur Tim Röhn bekommen. Drei Monate wird er recherchieren und den Republik-Lesern jede Woche berichten. Wohin die Recherche führt, will Hauptmeier nicht verraten. Auch nicht, worum es in der ersten Geschichte geht, mit der die Republik am 15. Januar online gehen wird. Nur so viel: „Wenn alles gut geht, starten wir mit einer geheimnisvollen Kiste – und mit einer Rakete.“

Die Redaktion - 5.12.2017