Reporterfabrik startet im Spätsommer

Seit der Ankündigung vor mehr als einem Jahr ist es still geworden um die Reporterfabrik. Doch das heißt nicht, dass sich nichts getan hat. Im Gegenteil. Nach der technischen Einrichtung der E-Learning-Plattform geht es jetzt um die Fertigstellung der Workshops. Im Sommer geht’s los.

von Monika Lungmus

Mehr als ein Jahr ist es her. Correctiv-Gründer David Schraven und der langjährige Spiegel-Journalist und Mitbegründer des Reporter-Forums Cordt Schnibben kündigten den Aufbau ihrer Reporterfabrik an: eine Web-Akademie für „Leute, die sich im Medienbereich schlau machen wollen“, wie Schnibben im journalist-Interview sagte. Außerdem soll die Reporterfabrik eine Fortbildungsplattform für Journalisten sein, die „ganz bequem von zu Hause“ aus neue Möglichkeiten der Recherche, des Erzählens und Publizierens erlernen wollen. Im August oder September soll es nun tatsächlich losgehen mit der „Journalistenschule für jeden“, sagt Schnibben, der die Reporterfabrik seit 1. Februar im Hauptjob leitet: „Wir fangen an, wenn die ersten zwölf Workshops stehen.“

Dass sich der Start so lange hinzieht, liegt an der aufwendigen Vorbereitung des Vorhabens. „Wir haben viel Zeit gebraucht, um die Lernplattform zu programmieren“, sagt Schnibben. „Denn es kommt darauf an, die richtigen Tools einzurichten. Und sie sollen auch einfach zu bedienen sein.“ Hinzu kamen konzeptionelle Arbeiten für die Lehrmatrix der modular gestalteten Onlinekurse. „Die Tutorials sollen interaktiv gestaltet sein. Das darf nicht wie ein Vortrag sein“, erklärt Schnibben.

Vier Workshops sind bislang fertiggestellt – darunterdie „17-teiligen Faustregeln für gutes Schreiben“ mit Wolf Schneider, ehemals Leiter der Henri-Nannen-Schule, sowie ein Workshop zum Thema „Interview“ mit Moritz von Uslar. Gerade in der Produktion sind Workshops mit Richard Gutjahr (Bloggen), Doris Dörrie (Dramaturgie) und Robb Montgomery (Mobile Reporting). Insgesamt werden es 50 bis 60 Workshops sein, verrät Schnibben – je nach Lernstufe umfassen sie zwischen drei und 20 Tutorials.

Der Lehrplan basiert auf insgesamt vier Stufen – wobei es in der ersten Stufe um die Einführung in den Journalismus geht: Prominente Journalisten beschreiben hier in Interviews ihre Erfahrungen, Erkenntnisse und Grundsätze. Zielgruppe sind interessierte Bürger, die sich über den Journalistenberuf informieren wollen. Alle Workshops dieser Stufe sind kostenlos. Die höchste Stufe ist die kostenpflichtige Masterclass, in der ausschließlich Journalisten aufgenommen werden.

Zusätzlich zu der Grundausbildung für Jedermann und der Weiterbildung für Profis bietet die Reporterfabrik mit Reporter4you ein spezielles Projekt für Schüler und Lehrer. Es will Schüler „befähigen, sich im Mediendschungel informiert zu bewegen“, wie es in der Selbstbeschreibung heißt. Zum Angebot gehören auch für Smartphones produzierte Videos, die entweder über die Lernplattform der Reporterfabrik oder auf Youtube abrufbar sind.

Jörg Sadrozinski ist überzeugt, dass es einen großen Bedarf für dieses Projekt gibt. „Die Vermittlung von Medienkompetenz wird immer wichtiger.“ Zwar spiele Medienkompetenz in den Lehrplänen durchaus eine Rolle. Aber die Lehrer selbst seien in der Materie oft unsicher. Sadrozinski, der seit November 2017 bei der Reporterfabrik das Schüler- Lehrer-Projekt verantwortet, verweist auf eine Studie der TU Dresden im Auftrag der Stiftervereinigung der Presse. Diese zeigt, dass angehende Lehrer viel zu wenig über Medien wissen und vor allem grundlegende Kenntnisse darüber fehlen, wie Nachrichten gemacht werden und welche Quellen glaubwürdig sind.

Die Redaktion - 8.5.2018