„Nicht jeden Mist abbilden“

"Relevanz entscheidet sich in vielen Redaktionen nicht mehr danach, was viele betrifft, sondern danach, worüber viele reden“, so Georg Restle im journalist-Interview. (Foto: WDR/Fulvio Zanettini)

Monitor-Chef Georg Restle kritisiert die aktuelle Berichterstattung über Asylthemen und die AfD, die Ängste von Menschen verstärke. Einige Kollegen würden sich „regelrecht darin gefallen, die Tabubruch-Strategie der AfD journalistisch zu verlängern".

Der Leiter des ARD-Magazins Monitor, Georg Restle, übt scharfe Kritik an der aktuellen Berichterstattung über Asylthemen sowie am Umgang mit der AfD. „Ich teile die Kritik, dass mit der Übernahme von Begriffen wie 'Flüchtlingsflut' oder der überbordenden Berichterstattung über jeden einzelnen Fall von Ausländerkriminalität, rassistische Kampagnen der AfD verstärkt werden“, sagt er im Interview mit dem journalist. Das Grundproblem, das er sieht: „Relevanz entscheidet sich in vielen Redaktionen nicht mehr danach, was viele betrifft, sondern danach, worüber viele reden.“ Damit mache man es der AfD leicht. Restle empfiehlt, mit Begriffen wie etwa „Asylkrise“ oder „Islamisierung“ vorsichtig umzugehen und sich in der Berichterstattung an Fakten zu halten, „statt auf gefühlte Realitäten zu setzen“.

Was die AfD betrifft, so sollten Journalisten nicht auf jede Provokation einsteigen. „Wenn es aber um den Schulterschluss von AfD-Kadern mit rechtsextremistischen Vereinigungen geht, gehört es zur journalistischen Pflicht, darüber aufzuklären.“ Restle kritisiert in diesem Zusammenhang, dass manche Kollegen sich „regelrecht darin gefallen, die Tabubruch-Strategie der AfD journalistisch zu verlängern. Und das gar nicht unbedingt, weil sie die AfD so toll finden, sondern um sich als Enfants terribles der Medienlandschaft neue Alleinstellungsmerkmale zu sichern.“ Anscheinend fehle einigen Kollegen auch jegliche Grundkenntnis über völkischen Nationalismus. „Anders kann ich es mir nicht erklären, wie unkritisch eine Ideologie toleriert und verharmlost wird, die in diesem Land in den Vernichtungswahnsinn der Nationalsozialisten geführt hat.“

Restle appelliert im journalist-Interview an seine Berufskollegen, sich auf Grundrechte und Humanismus zu besinnen. „Ganz grundsätzlich glaube ich, dass Journalisten überhaupt wieder über einen werteorientierten Journalismus nachdenken sollten“, so der WDR-Journalist. „Wir müssen nicht jeden Mist abbilden, nur weil er aus dem Mund eines Bundestagsabgeordneten oder eines Parteivorsitzenden kommt.“ Stattdessen sollten Journalisten aufzeigen, wohin die Menschenfeindlichkeit, die sich in Begriffen wie „Asyltourismus“ ausdrückt, am Ende führt.

Das komplette Interview mit Monitor-Chef Georg Restle lesen Sie in der August-Ausgabe des journalists, die am 30. Juli erscheint. Neugierig? Dann hier entlang.

Die Redaktion - 27.7.2018