Neustart mit Drei-Säulen-Modell

Markus Beiler, Leiter des reformierten Masterstudiengangs in Leipzig (Foto: privat)

Nach internen Querelen hatte die Universität Leipzig im vergangenen Jahr beschlossen, die Journalistenausbildung zu reformieren. Im kommenden Wintersemester gibt es nun einen Neustart. Der journalist sprach mit Markus Beiler, der den reformierten Masterstudiengang leiten wird.

Interview von Monika Lungmus

journalist: Nach einer langen Auseinandersetzung um die Zukunft der Leipziger Journalistik gibt es nun zum Winter­semester einen Neustart. Wie sieht denn das neue Konzept aus?
Markus Beiler: Die Studierenden werden lernen, den digi­talen Wandel des Journalismus zu begleiten, zu erforschen und mitzugestalten. Wir haben dazu ein Drei-Säulen-Modell entwickelt. In der ersten Säule werden journalistische Arbeitsweisen vertieft, in der zweiten Säule sollen mit Blick auf die digitalen Herausforderungen grundlegende Informatik-Kompetenzen vermittelt werden, und in der dritten Säule geht es um die angewandte Sozial- und Journalismusforschung.

Mit diesem Modell verabschiedet sich Leipzig von der klassischen Journalistenausbildung.
Wir haben die Journalistenausbildung weiterentwickelt. Aber es ist in der Tat so, dass wir nicht mehr nur Redakteure ausbilden wollen, sondern auch für die Schnittstelle zwi­schen Redaktion und Management und für die Forschung. Ergänzen möchte ich, dass wir die drei Säulen im dritten Semester in einem Innovationsprojekt zusammenführen: Studierende entwickeln hier zum Beispiel ein journalis­tisches Format – sie brauchen dabei sowohl handwerkliche journalistische Kompetenzen als auch Technikexpertise und natürlich ein Forschungsinteresse. In dieser Form ist unser Masterstudiengang, der nach wie vor das integrierte Volon­tariat umfasst, einzigartig in Deutschland.

Gibt es außer dem Volontariat noch etwas, das vom alten Masterstudiengang übriggeblieben ist?
Ja, der Studiengang vermittelt nach wie vor die grundlegenden journalistischen Kompetenzen. Wir setzen hier abernicht mehr grundständig an, sondern wollen vertiefen. Dasheißt: Wir bauen auf journalistischen Vorkenntnissen auf.Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass die Reform nicht nur unseren Masterstudiengang betrifft. Auf Bache­lor-Ebene wurde das Wahlfach Hörfunk zum Wahlfach Crossmedia-Journalismus ausgebaut. Die grundständige journalistische Ausbildung auf Bachelor-Ebene kann dann im Masterstudiengang vertieft werden.

Der Masterstudiengang Journalismus ist offen für sämtli­che Bachelorstudiengänge. Wie sinnvoll ist das, wenn der Master doch den Anspruch hat, journalistische Kompetenzen zu vertiefen?
Dass der Studiengang offen ist für Absolventen aller Fach­richtungen war vorher schon so. Neu ist, dass nun auch Studierende aufgenommen werden, die bereits im Bachelor Journalistik studiert haben. Insgesamt haben wir höhere Erwartungen an die journalistischen Vorkenntnisse, die Bewerber mitbringen müssen.

Wie viele Bewerbungen gab es?
Die 20 Studienplätze sind fünffach überbucht. Es waren 101 Bewerbungen. Und wir werden jetzt mit rund der Hälfte noch Auswahlgespräche führen.

Die Journalistenausbildung in Leipzig galt mal als eine der besten universitären Adressen. Glauben Sie, dass Sie den guten Ruf wiedererlangen können?
Ja, ich denke, dass wir mit dem Konzept des reformiertenMasterstudiengangs einen spezifischen und sehr gutenBeitrag zur Ausbildung von Journalistinnen und Journalis­ten in Deutschland leisten.

Die Redaktion - 11.7.2018