Neue Investigativeinheit

Birgitta Weber (Foto: SWR/Carsten Costard)

Der SWR baut ein Rechercheteam in Mainz auf – und sucht dafür investigative Journalisten. Leiter der Einheit wird Adrian Peter, derzeit CvD bei Report Mainz.

von René Martens

Ist investigative Recherche die neue „Leitwährung“ des Journalismus? Birgitta Weber, stellvertretende Chefredakteurin des SWR, ist davon überzeugt. Vor fünf Jahren, sagt sie, habe das Genre noch keinen so hohen Stellenwert gehabt. Weber ist gerade dabei, für ihren Sender eine eigene Rechercheeinheit aufzubauen. „Wir möchten die publizistische Relevanz des SWR stärken“, sagt sie.

Am 1. Januar 2018 geht die neue Einheit an den Start, Standort ist Mainz. Weber sucht dafür Journalistinnen und Journalisten, die nicht notwendigerweise bereits fürs Fernsehen oder den Hörfunk gearbeitet haben müssen. „Wichtig ist die investigative Erfahrung“, sagt sie. Da zum Anforderungsprofil laut SWR-Bewerbungsportal die „Erstellung von aktuellen Beiträgen für Nachrichtensendungen in der ARD und im SWR und für Magazinsendungen“ gehört, ist TV-Erfahrung aber gewiss nicht von Nachteil.

Fünf bis sechs feste Freie will Weber aus den Mitte Oktober beginnenden Bewerbungsgesprächen herausfiltern. Leiter der neuen Einheit wird Adrian Peter, derzeit noch Chef vom Dienst bei Report Mainz. Mit den Kollegen von Report soll das neue Team eng vernetzt sein. So ist ein gemeinsamer CvD-Desk mit der Report-Redaktion vorgesehen. Außerdem arbeiten einige CvD für beide Redaktionen. Vergleichbare Konstellationen gebe es etwa beim NDR und beim WDR nicht, sagt Weber. Die vom Team erstellten Beiträge werden aber nicht unbedingt zuerst bei Report Mainz zu sehen sein – angesichts dessen, dass das Politikmagazin im Ersten nur alle drei Wochen läuft, wäre das kontraproduktiv. Zusammenarbeiten soll die neue Einheit zudem mit der Redaktion „Datenjournalismus und Reporter“ und für regionale Recherchen mit Redakteuren etwa aus den Studios in Mannheim und Kaiserslautern. Die neue Einheit solle auch dazu dienen, „investigativ arbeitende Journalisten im SWR stärker zu vernetzen“, sagt Weber.

Gemessen an der Schlagkraft, die die miteinander kooperierenden Rechercheteams von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung aufbieten können, wirkt die neue Einheit des SWR überschaubar. Zumal NDR und WDR gerade aufgerüstet haben, indem sie für eine leitende Position Markus Grill verpflichteten, den preisgekrönten Ex-Spiegel- und Ex-Stern-Journalisten, der zuletzt als Chefredakteur beim gemeinnützigen Recherchebüro Correctiv tätig war.

Auch die neue Rechercheunit des SWR soll die eigene Leistungsfähigkeit steigern, indem man punktuell mit Kollegen aus anderen Häusern kooperiert – ähnlich wie es Report Mainz praktiziert. „Projektbezogen“ habe das Magazin des Senders in der jüngeren Vergangenheit mit dem Spiegel, dem Stern, der Zeit und der SZ zusammengearbeitet, betont Weber. Am meisten Aufsehen erregte aber eine investigative Zusammenarbeit mit anderen Politikmagazin-Redaktionen. Im Frühjahr deckten die Mainzer mit Kollegen von Report München (BR) und Fakt (MDR) auf, dass der ehemalige Deutschlandchef der verbotenen Neonazi-Organisation „Blood and Honour“ als V-Mann für den Verfassungsschutz tätig gewesen war.

Die Redaktion - 6.10.2017