"Kein Sofa-Geplauder"

Sascha Hingst und Jessy Wellmer (Foto: RBB/Thomas Ernst)

Das ARD-Mittagsmagazin, 1989 im Zuge der Wende erfunden, wagt einen Schritt zu mehr öffentlich-rechtlicher Synergie: Es sendet jetzt gemeinsam mit dem ZDF aus dessen Hauptstadtstudio. Wir haben mit den Moderatoren Jessy Wellmer und Sascha Hingst gesprochen.

Interview von Jan Freitag

journalist: Frau Wellmer, Sie stehen im großen Rampenlicht der Sportschau und moderieren künftig auch beim Mittagsmagazin, und Sie, Herr Hingst, bewegen sich von der kleinen RBB-Abendschau zum MiMa. Ist der Schritt gleichermaßen groß für Sie beide?
Sascha Hingst: Ich versuche, weniger in Größe als Inhalt zu denken. Zu Beginn meiner Reporterkarriere habe ich für den MDR Informationen aus der ganzen Welt verarbeitet. Es wurde danach zwar immer regionaler, sportlicher, kultureller, auch wirtschaftlicher. Aber ich war stets im politischen Nachrichtenwesen.

Jessy Wellmer: Ich beschäftige mich viel mit Politik, habe sogar einen politischen Journalisten geheiratet und moderiere bereits die Spätnachrichten im RBB. Das Mittagsmagazin in der Mitte dieser großartigen Nachrichtenmaschine ARD ist also schon deshalb ein tolles Format für Sascha und mich, weil es darin mehr um Welt- und Bundespolitik geht. Neben der Sportberichterstattung ist noch Luft, die ich schon immer atmen wollte. Da ist es Chance und Ehre zugleich, so ein Informationsflaggschiff moderieren zu dürfen.

Hingst: In Berlin werden die wirklich wichtigen Entscheidungen fürs Land getroffen, hier gehört so ein Magazin hin. Und beim RBB ist es bestens aufgehoben; nach meinen Erfahrungen ist er trotz der räumlichen Nähe zur Macht der Sender, der sich gerade nicht von politischer Seite beeinflussen lässt und journalistisch besonders unabhängig ist.

Spielt es eine Rolle für Ihre künftige Arbeit, dass die Sendung vor 28 Jahren erfunden wurde, um schon tagsüber von den Ereignissen der Wende zu berichten?
Wellmer: Klar, schon weil wir beide im Osten aufgewachsen sind. Das Mittagsmagazin gibt es schon, solange ich Fernsehen denken kann. Von daher ist seine Bedeutung auch für mich persönlich groß. Und ich finde es schön, dass die Sendung nun nicht nur aus der Hauptstadt, sondern eben auch aus dem Osten Deutschlands kommt.

Hingst: Wenn mir jemand mit 17 in der untergehenden DDR gesagt hätte, du moderierst mal solch eine Sendung für das, was damals noch SFB hieß, hätte ich ihn für verrückt erklärt. Wo wir jetzt sitzen, war ja noch die Mauer zu sehen. Es ist absolut irre, wie sich das Land, mein Weg, aber auch das Mittagsmagazin seither gewandelt haben.

Kritiker würden sagen, das MiMa ist von der harten Nachrichtensendung für alle zum leichteren Infotainment für Rentner geworden.
Hingst: Ich empfinde das Magazin als sehr nachrichtlich. Es ist allerdings verbraucherfreundlicher geworden. Was am gemeinsamen MiMa-Studio von ARD und ZDF stärker zur Geltung kommen dürfte als in München und Mainz, ist der Fokus auf Berlin als politischer, kultureller, gesellschaftlicher Kristallisationspunkt von Deutschland.

Wellmer: Hier in Berlin spielt die Musik. Dennoch halten viele, die mich darauf ansprechen, das Magazin eher für bunt. Dabei hat es nach wie vor einen politisch harten Kern, dem wir durch den Ortswechsel nochmals näher kommen.

Es wird also kein fluffiges Kaffeetassengeplauder wie beim Morgenmagazin?
Wellmer: Definitiv nicht. Die Doppelmoderation soll vor allem Sinn ergeben – egal ob als Arbeitsteilung oder um einen Politiker zu zweit in die Mangel zu nehmen.

Hingst: Wobei die Sendung hart beginnt und nach hinten weicher werden darf.

Wellmer: Aber auch dann wird es kein Sofa-Geplauder geben.

Hingst: Schon, weil es kein Sofa gibt.

Die Redaktion - 3.1.2018