Journalismus direkt vom Erzeuger

Christian Schwägerl (Foto: Riff-Reporter)
Tanja Krämer (Foto: Björn Behrens)

Sie wollen den freien Journalismus neu organisieren: Tanja Krämer und Christian Schwägerl haben mit Riff-Reporter eine Genossenschaft gegründet, die freien Journalisten eine technische Plattform und Kooperations-möglichkeiten bereitstellt. Dafür haben sie jetzt einen Preis gewonnen.

von Kathi Preppner

Warum gibt es nicht mehr freie Journalisten, die ohne Hilfe von Verlagen und Sendern im Internet Geld verdienen? Tanja Krämer und Christian Schwägerl glauben, dass viele Journalisten das wollen, ihnen die Hürden aber zu hoch erscheinen. Ihnen wollen sie das Gründen leichter machen.

Mit Riff-Reporter haben sie eine Infrastruktur aufgebaut, über die Leser „Journalismus direkt vom Erzeuger“ beziehen können. Die Plattform stellt Journalisten ein multimediales Content-Management-System und verschiedene Erlösmodelle bereit. Autoren können zusammenarbeiten und so mehr Leser gewinnen. Auch Grafiker, Illustratoren und Programmierer sollen Teil des Netzwerks werden. „Bei uns sind Journalisten mit ihrem Angebot nicht allein, sondern Teil einer lebendigen Nachbarschaft“, sagt Krämer.

Die Idee kam den beiden Wissenschaftsjournalisten 2015. Zusammen mit den Journalisten Uwe H. Martin und Max Steinbeis und dem Grafik- und Webdesigner Sebastian Brink machten sie sich daran, die entsprechende Infrastruktur aufzusetzen. Im Oktober wurde die Genossenschaft eingetragen, 2018 soll die Beta-Version starten.

Das Themenspektrum ist breit: Auf riffreporter.de können freie Journalisten Beiträge zu Wissenschaft, Gesellschaft, Umwelt, Technologie und Kultur veröffentlichen. Anders als beispielsweise Krautreporter soll Riff-Reporter kein Onlinemagazin mit einer zentralen Startseite sein, erklärt Krämer. Anlaufstelle für die Leser seien vielmehr die einzelne Projekte, die sogenannten Korallen, die sich um ein Thema oder einen Autor drehen. Bisher gibt es rund zehn solcher Korallen, darunter „Flugbegleiter“ über Vogelbeobachtung oder „DebatteMuseum“ über das Museum der Zukunft.

Journalisten können auf Einladung oder per Bewerbung Riff-Reporter werden. Sie müssen der Genossenschaft beitreten, mindestens einen Anteil für 50 Euro kaufen und 200 Euro Aufnahmegebühr bezahlen. Zudem wird die Genossenschaft mit 15 Prozent am Umsatz beteiligt. Die Leser wiederum zahlen per Mini-Abo, freiwilliger Unterstützung oder Micropayment für Autoren und Themen.

Bisher nutzt Riff-Reporter dafür Paypal und Stripe. Derzeit hat Riff-Reporter rund 40 Mitglieder. Neben der Umsatzbeteiligung soll sich das Projekt über die Genossenschaftsmitglieder und den gemeinnützigen Riff-Fonds für freien Journalismus finanzieren.

Für die Vermarktung der Inhalte sind die Journalisten selbst zuständig. Viel läuft über Social Media. Vor einer Boulevardisierung der Beiträge hat Krämer aber keine Angst: Zufriedene Leser bekomme man mit Qualität und nicht mit reißerischen Überschriften, hinter denen meist nur enttäuschender Inhalt warte. „Wichtig ist, dass alle Communitys im Riff zusammenkommen und dass Korallen auch kooperieren können. Wenn dann ein Beitrag an fünf Communitys ausgespielt wird, steigt die Reichweite.“

Dieses Konzept hat die Jury des ersten #Netzwende-Awards überzeugt, mit dem der Journalismus-Thinktank Vocer zusammen mit Spiegel, August-Schwingenstein-Stiftung, Rudolf- Augstein-Stiftung sowie Zeit-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius Riff-Reporter „für radikales Umdenken über den Wert von verlässlichen Informationen im Netz“ ausgezeichnet hat.

Die Redaktion - 6.12.2017