"Ich werfe mir drei Fehler vor"

WDR-Intendant Tom Buhrow im Gespräch mit journalist-Autor Hans Hoff. (Foto: WDR/Annika Fusswinkel)

Im Interview mit dem journalist nimmt WDR-Intendant Tom Buhrow erstmals ausführlich Stellung zu den Vorwürfen von Machtmissbrauch und sexueller Belästigung in seinem Sender. Buhrow sagt: „Ich muss zur Kenntnis nehmen, dass eine Reihe von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unzufrieden ist, wie ihre Vorgesetzten mit Macht umgehen.“

WDR-Intendant Tom Buhrow nimmt im Interview mit dem journalist erstmals ausführlich Stellung zu den Vorwürfen von Machtmissbrauch und sexueller Belästigung im WDR und der Frage, wie sein Sender mit dem Thema in den vergangenen Wochen umgegangen ist. „Ich werfe mir drei Fehler vor“, sagt Tom Buhrow im journalist und übernimmt auch Verantwortung für Entscheidungen und Versäumnisse, die zum Teil vor seiner Zeit als Intendant liegen.

Dazu zählt die Ermahnung des WDR-Korrespondenten Arnim Stauth, der 2010 Hinweise auf sexuelle Belästigung an Verantwortliche im Sender weitergegeben hatte und infolge dessen arbeitsrechtliche Konsequenzen fürchten musste. „Die Ermahnung war rückblickend ein Fehler, weil sie einen völlig falschen Eindruck erweckt hat“, sagt Buhrow heute. Inzwischen sei dies aus der Personalakte gestrichen.

Außerdem räumt Buhrow im Umgang mit dem Personalrat Fehler ein. Dessen Mitglieder hatten kritisiert, dass Hinweise und Einschätzungen des Gremiums übergangen worden seien. „Ich hätte die Arbeitnehmerseite noch näher an meine Seite holen müssen“, sagt Buhrow rückblickend. Als weiteren Fehler nennt Buhrow im journalist-Interview die Auswahl einer Kanzlei als Anlaufstelle für Betroffene, obwohl diese Kanzlei den WDR schon in Prozessen gegen Mitarbeiter vertreten hat.

Tom Buhrow widerspricht im journalist-Interview dem Eindruck, im WDR herrsche ein Klima der Angst. „Ich bin im WDR groß geworden, und ich kenne ihn nicht als angstbesetzten Laden. Im Gegenteil. Der WDR ist ein, ich will nicht sagen ‚rebellischer Laden‘, aber doch ein sehr kritikfreudiger.“ Dennoch sieht Buhrow Handlungsbedarf, die Unternehmenskultur im WDR zu verbessern. „Ich muss zur Kenntnis nehmen, dass eine Reihe von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des WDR unzufrieden ist mit der Art und Weise, wie ihre Vorgesetzten oder der WDR als Ganzes mit Macht umgehen“. Deshalb werde er sich diesem Thema widmen: „Wir sind ein großer mittelständischer Betrieb, vielleicht sogar ein Sender in Konzerngröße, aber wir haben eine Seele wie ein Familienbetrieb.“

Das komplette Interview mit WDR-Intendant Tom Buhrow lesen Sie in der Juni-Ausgabe des Medienmagazins journalist, die am 1. Juni erscheint. Neugierig? Dann hier entlang.

Die Redaktion - 31.5.2018