Für einen starken Betriebsrat

DJV-Vorsitzender Frank Überall (Foto: Frank Sonnenberg)

Am 13. März wird in den meisten Medienunternehmen ein neuer Betriebsrat gewählt. Aus Sicht des DJV-Bundesvorsitzenden Frank Überall ist die Betriebsratswahl nicht als bloße Pflichtübung zu betrachten. Wichtig sei es vielmehr, den Kollegen, die sich für das Amt zur Verfügung stellen, auch den notwendigen Rückhalt zu geben.

von Frank Überall

Sprachlosigkeit ist in einem Kommunikationsberuf kein guter Ratgeber. Wenn es um die eigenen Interessen geht, sind wir Journalistinnen und Journalisten aber oft zurückhaltend. Viele von uns wollen sich auf ihren Beruf konzentrieren, einen guten Job machen und so natürlich auch zum Erfolg des Medienunternehmens beitragen, bei dem wir angestellt sind oder das uns freiberuflich beauftragt.

Manchmal aber läuft etwas schief in der Firma: Da werden die Arbeitsbedingungen verschlechtert, da wird die Bezahlung reduziert, da werden Vorschriften des Arbeitsschutzes nicht eingehalten. Das sind die Momente, in denen man sich wehren müsste. Aber wir haben ja so viel mit unserem Job zu tun, wollen Qualität abliefern – da bleibt kaum Zeit, sich um diese Probleme zu kümmern.

Eine solche Haltung trägt aber dazu bei, dass so mancher Unternehmer die Daumenschrauben immer weiter anzieht. Wenn sich kein Widerstand regt, kann man auch mit noch weniger Personal noch mehr Output erreichen. Die Gesundheit der Beschäftigten bleibt dabei auf der Strecke, ganz zu schweigen von so etwas wie Lebensqualität. Und überhaupt: Sich allein gegen Ungerechtigkeiten in den Redaktionen aufzulehnen, kann einen schnell aufs Abstellgleis befördern.

Deshalb ist es so wichtig, dass sich die Belegschaft für anständige Arbeitsbedingungen einsetzt. Stärke kommt von Gemeinsamkeit, und sie kann sich dann besonders entfalten, wenn sie von möglichst vielen Kolleginnen und Kollegen getragen wird. An den Wahlen zu den Betriebsräten teilzunehmen, ist wohl das Mindeste.

Nur wenn in der Interessenvertretung auch Profis sitzen, die durch viele Stimmen legitimiert sind, werden sie von den jeweiligen Unternehmensleitungen wahr- und ernstgenommen. Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) ist die Organisation dieser Profis im redaktionellen Bereich. Seine Bewerber engagieren sich mit Herzblut und Sachverstand. Unterstützt werden sie dabei juristisch von den Geschäftsstellen unserer Gewerkschaft.

Letztlich kommt es aber immer auf diejenigen an, die vor Ort als Betriebsräte aktiv sind. Sie haben es verdient, dass wir das Kandidaten-Tableau zur Kenntnis nehmen, dass wir uns trotz des alltäglichen Arbeitsaufkommens die wenigen abzugeben. So zeigen wir den Unternehmern, dass eine starke Vertretung der Arbeitnehmer von allen gewollt ist. Und das gibt unseren Vertretern in den Betriebsräten den Rückenwind, den sie in Stärke ummünzen können.

In diesen Tagen werden die Weichen in den Betrieben für die kommenden vier Jahre gestellt. Das sollte niemand ignorieren und keiner als lästige Pflichtübung ansehen. Im Gegenteil: Wir sollten diejenigen, die sich freiwillig und oft genug ehrenamtlich um ein solches Amt bewerben, mit unserer Stimme unterstützen. Nur so kann Kommunikation für ein gelungenes Arbeitsleben in den Medienunternehmen funktionieren.

 

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Die Redaktion - 7.3.2018