Frankfurter Neue Unsicherheit

Neuer Eigentümer, vielen Fragen. Klar scheint für FR und FNP zu sein, dass gespart werden soll. Der neue FNP-Newsroom sei überdimensioniert und die DuMont-Zulieferung der FR komme auf den Prüfstand, heißt es. (Bild: journalist)

Nachdem das Zeitungs-Imperium des Verlegers Dirk Ippen die Frankfurter Rundschau und die Frankfurter Neue Presse gekauft hat, geht es jetzt ans Sparen. Der Chefredakteur der FNP musste gehen. Viele Redakteure bangen um ihren Job.

von Josephine Pabst

Es ist gerade einmal neun Monate her, da hatte die Frankfurter Neue Presse (FNP) Großes vor. Chefredakteur Joachim Braun präsentierte am 12. Juli 2017 das Herzstück einer neuen Qualitätsoffensive: einen Newsroom für rund eine Million Euro, mit neuen Möbeln sowie Mantel-, Digital- und Regionaldesk. Von hier aus wollte sich die Zeitung stärker an den Interessen der Leser ausrichten und den digitalen Wandel schaffen.

Brauns Pläne sind inzwischen Geschichte: Die Fazit-Stiftung, Mehrheitseigentümerin der F.A.Z., hat die FNP im März zusammen mit der Frankfurter Rundschau (FR) an die Zeitungsholding Hessen verkauft. Die Unternehmensgruppe gehört mehrheitlich zum Zeitungsimperium von Verleger Dirk Ippen. In den wenigen Wochen seit der offiziellen Übernahme zum 1. April hat der neue Eigentümer bei der FNP mächtig umgebaut: Joachim Braun gehört nicht mehr zur Redaktion, der neue Chefredakteur heißt Max Rempel. Rempel stammt aus einer Gießener Verlegerfamilie, die wiederum mit 20 Prozent an der Zeitungsholding Hessen beteiligt ist – und ist damit gewiss ganz auf der Linie der neuen Eigentümer.

Und diese lautet offensichtlich: sparen. Die Ippen-Gruppe ist nicht gerade dafür bekannt, viel Geld in ihre Zeitungen zu investieren – auch nicht in ihren jüngsten Zukauf. „Solch einen Newsroom hätten wir nie gebaut“, gibt Daniel Schöningh im Gespräch ganz offen zu. Der Neffe von Dirk Ippen ist Geschäftsführer der Ippen-Verlagsgruppe. „Man kann schon sagen: Da ist man über das Ziel hinausgeschossen.“ Auch bei der FR könnte das Spardiktat bald Folgen haben. So kauft die Zeitung derzeit Texte für den Mantel bei der DuMont-Redaktionsgemeinschaft in Berlin zu. Diese Zusammenarbeit stellt Schöningh nun infrage: Der Vertrag habe eine Kündigungsfrist, weshalb man ihn sich ganz sicher anschauen werde.

Bevor Joachim Braun im Februar 2016 bei der FNP eingestiegen war, hatte die Zeitung jährlich etwa vier Prozent ihrer Abonnenten verloren. Braun wollte die Verluste auf zwei Prozent halbieren. Doch fruchtete seine Strategie jedenfalls kurzfristig nicht. Im Gegenteil: Leser beschwerten sich darüber, dass die Struktur der Lokalseiten verändert wurde und manche Regionen statt mit einer ganzen Seite nur noch mit zwei Meldungen bedacht wurden. Die Folge: Nach Brauns Neuausrichtung verlor die FNP mehr als 6.000 Abonnenten, ein Minus von neun Prozent. „Die Belegschaft fürchtet, dass sie für das verfehlte Konzept mit Stellenabbau büßen muss“, so der Betriebsratsvorsitzende Thomas Remlein.

Dazu möchte sich Geschäftsführer Daniel Schöningh noch nicht äußern. Er sei erst einmal damit beschäftigt, die Titel kennenzulernen, um dann so schnell wie möglich die Verluste zu reduzieren. Große inhaltliche Umbrüche und teure Neuausrichtungen sind unter seiner Führung nicht zu erwarten: „Regionalzeitungen kann man nicht neu erfinden“, sagt Schöningh. „Entweder man möbelt sie auf, und dann funktioniert es, oder eben nicht.“

Grundsätzlich gibt sich Schöningh durchaus optimistisch, die einzelnen Titel erhalten und wirtschaftlich fortführen zu können. Dafür will er sich auf das Digital- und Printgeschäft gleichermaßen konzentrieren. Im Printbereich stehen die Regionen im Fokus, in denen die größte Auflage verkauft wird. Das ist nicht das Stadtgebiet von Frankfurt, sondern das Umland: der Main-Taunus-Kreis, der Hochtaunuskreis und Limburg. Im Digitalen sei zudem auf jeden Fall „Luft nach oben“. Wenn sich die Lage in ein paar Monaten beruhigt hat und wenn auch die Mitarbeiter wissen, wie es weitergeht, dann werde „es sich schon irgendwie zusammenruckeln“, sagt der Verleger.

Dies ist eine journalist-Vorabmeldung aus der Mai-Ausgabe, die in wenigen Tagen erscheint. Wollen Sie den journalist kennenlernen? Dann hier entlang.

In einer früheren Version dieser Meldung hieß es, am 26. April finde eine Betriebsversammlung bei der FNP statt. Diese Information war falsch. Außerdem hatten wir geschrieben, die FR kaufe derzeit ihren Mantel bei der DuMont-Redaktionsgemeinschaft in Berlin zu. Auch das stimmt nicht. Richtig ist: Die FR kauft lediglich Texte für den überregionalen Teil zu, nicht den gesamten Mantel.

Die Redaktion - 25.4.2018