„Es gibt keinen Kompromissjournalismus“

ARD-Moderatorin Anja Reschke (Foto:Thorsten Jander)

Anja Reschke warnt davor, dass sich Journalisten dauerhaft verunsichern lassen oder eine Rechtfertigungsposition einnehmen. Es gebe „keinen Kompromissjournalismus, um alle Meinungen zu bedienen“, so die Panorama-Chefin im journalist-Interview. „Es gibt nur Journalismus.“

Angesichts der politischen Umbrüche und der polarisierenden Debatten spricht sich die NDR-Journalistin und Panorama-Chefin Anja Reschke für eine klare Positionierung von Journalisten aus. Im journalist-Interview fordert sie, dass Journalisten ihre Haltung deutlich erkennbar machen sollten, und diese Position „nicht unter einem Pseudo-Neutralitätsmäntelchen versteckt“ werden dürfe. Es brauche „mehr Mut zur Ehrlichkeit, zur Transparenz, auch was die Herkunft von Informationen betrifft“, so die ARD-Journalistin.

Anja Reschke findet es zwar positiv, dass Journalisten heute viel kritischer mit sich und ihrer Rolle umgehen. Sie warnt aber zugleich davor, sich dauerhaft verunsichern zu lassen und eine Rechtfertigungsposition einzunehmen. „Journalismus ist nicht dazu da, die Meinung der Rezipienten zu bedienen. Wo soll das hinführen?“ Es gebe „keinen Kompromissjournalismus, um alle Meinungen zu bedienen“, so die Panorama-Chefin. „Es gibt nur Journalismus.“

Zugleich glaubt Reschke, dass der „Wert von freier, unabhängiger, seriöser Presse“ nicht mehr jedem klar sei. Die Möglichkeit, dass jeder in Deutschland jederzeit seine Meinung sagen kann, dass auch Journalisten schreiben und kritisieren können, was sie für richtig halten, werde für selbstverständlich genommen „oder durch Lügenpresse-Rufe sogar in die gegenteilige Richtung gedeutet“, so Reschke. „Ich weiß nicht, ob den Menschen bewusst ist, was sie verlieren können.“

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Die Redaktion - 5.2.2018