Diesseits und jenseits der Grenze

Media Beyond Frontiers - ein Magazin von 19 Nachwuchsjournalisten über die ukrainisch-moldauische Grenzregion. (Foto: journalist)


Über die ukrainisch-moldauische Grenzregion ist wenig bekannt. Das Medienprojekt „Media beyond frontiers“ wollte das ändern. Es bot Nachwuchsjournalisten aus Deutschland, der Ukraine und der Republik Moldau die Möglichkeit zu Recherchen. Entstanden ist ein Magazin, das am 14. Dezember der Öffentlichkeit präsentiert wird.

von Monika Lungmus

Die ukrainisch-moldauische Grenzregion steht nicht unbedingt im Fokus des medialen Interesses. Grund genug für Markus Winkler, wissenschaftlicher Projektmitarbeiter am Institut für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas (IKGS) der Ludwig-Maximilians-Universität München, den Blick junger Journalistinnen und Journalisten aus Deutschland, aber auch aus der Ukraine und der Moldauischen Republik in dieses unterbelichtete Gebiet zu lenken, das in den vergangenen Jahrhunderten immer wieder Teil unterschiedlicher Imperien gewesen ist. Zuletzt, bis zur Unabhängigkeit der Ukraine und der Republik Moldau, gehörte es zur Sowjetunion.

In Kooperation mit der Universität Tscherniwzi startete der Osteuropa-Experte in diesem Jahr das grenzüberschreitende und vom Auswärtigem Amt finanzierte Medienprojekt „Media beyond frontiers“. Es bot Nachwuchsjournalisten die Möglichkeit, in Tscherniwzi (Ukraine) und Balti (Moldawische Republik) mit Medienexperten über die Pressefreiheit und deren Bedeutung für eine funktionierende Demokratie zu diskutieren, in Workshops journalistische Arbeitsweisen kennenzulernen und zu vertiefen sowie in trinationalen Rechercheteams die Region mit all ihren aktuellen Problemen und Perspektiven zu erkunden.

Themen für die Rechercheteams gab es genug. Etwa die Arbeitsmigration: Wegen der wirtschaftlichen Stagnation verlassen viele Väter und Mütter die ukrainisch-moldauische Grenzregion, um im Ausland das nötige Geld für ihre Familien zu verdienen – die Kinder wachsen bei den Großeltern auf. Oder die Lebensentwürfe der jungen Generation: Trotz der wirtschaftlichen Krise halten einige Aktivisten in Tscherniwzi und Balti daran fest, in ihrer Heimat etwas verändern zu können. Allen Widrigkeiten zum Trotz wollen sie Zukunft gestalten, versuchen es zumindest.

Spannende Themen für die 19 Nachwuchsjournalisten, die aus einem Kreis von rund 30 Bewerbern ausgewählt worden waren und vom 20. bis 28. September an der Exkursion teilnahmen. Die Arbeitssprache war Englisch - Verständigung untereinander war also kein Problem. Für ihre Gespräche mit den Menschen aus allen Altersschichten diesseits und jenseits der Grenze mussten die Projektteilnehmer allerdings sprachkundige Einheimische gewinnen, die sich spontan als Dolmetscher zu Verfügung stellten. Auf dem Programm stand außerdem ein Ausflug nach Transnistrien, jener Mini-Republik, die sich vor mehr als 25 Jahren von Moldau abspaltete und durch Menschen- und Waffenhandel von sich reden machte.

„Das Ergebnis kann sich sehen lassen“, findet Renate Nimtz-Köster. Die studierte Slawistin und ehemalige Spiegel-Redakteurin hatte das Projekt als Medienfachfrau begleitet. Sie hatte dem Nachwuchs nicht nur vermittelt, wie ein demokratisches Mediensystem aufgebaut ist, sondern auch, „wie man guten Journalismus macht“. Zusammen mit Projektleiter Winkler hat sie zuletzt die Reportagen, Berichte und Interviews, die aus den Recherchen der sechs Teams entstanden sind, redigiert und in Magazinform gegossen. Mehr als 100 Seiten sind am Ende daraus geworden.

Allerdings enthält das Magazin nur Texte in deutscher Sprache. Markus Winkler verweist darauf, dass die nichtdeutschen Beiträge bereits in ukrainischen und moldauischen Medien erschienen sind. Somit erreiche man alle drei Sprachgruppen. „Die Beiträge sind Gemeinschaftswerke der jeweiligen Rechercheteams“, so Winkler zum journalist. Die Teams hätten also gemeinsam ihre Themen ausgewählt und ihre Recherchen geplant und durchgeführt. Die Beiträge fürs Magazin seien dann von den sechs deutschen Nachwuchsjournalisten verfasst worden, „inhaltlich in enger Absprache mit den jeweiligen Teammitgliedern aus der Ukraine und der Republik Moldau“.

Das Magazin, das am 10. Dezember unter dem Titel „Media beyond frontiers“ im Regensburger Verlag Pustet erscheint (ISBN/EAN: 9783791730615, 8,90 Euro) und am 14. Dezember in der Berliner Bundeszentrale für politische Bildung der Öffentlichkeit vorgestellt wird, hat zunächst eine Auflage von 500 Exemplaren, „kann aber bei entsprechender Nachfrage auch nachgedruckt werden“, erklärt Projektleiter Markus Winkler. Darüber hinaus sei eine E-Version geplant.
 

Die Redaktion - 30.11.2018