Die Leser schätzen das Lokale

"Was in der Provinz passiert, käme doch ohne Lokalzeitungen oftmals gar nicht ans Licht", sagt Benjamin Piel (Foto: Thorsten Jander)

Benjamin Piel ist jung, arbeitet gerne im Lokaljournalismus und liebt den unmittelbaren Kontakt zu den Lesern. Nach seiner Zeit als Co-Redaktionsleiter der Elbe-Jeetzel-Zeitung übernimmt der 34-Jährige nun die Chefredaktion des Mindener Tageblatts.

Benjamin Piel ist überzeugter Lokaljournalist und seit 1. Juni neuer Chefredakteur des Mindener Tageblatts. „Sehr viele Menschen glauben offenbar, dass einem Journalisten im Lokalen ganz automatisch etwas fehlt oder dass Lokaljournalismus weniger wert ist. Aber ich empfinde bei meiner Arbeit überhaupt keinen Mangel“, sagt er beim Besuch des journalists.

Mit nur 31 Jahren wurde Piel neben Jens Feuerriegel zum Redaktionsleiter der Elbe-Jeetzel-Zeitung berufen. Jetzt, mit 34 Jahren, übernimmt er die Chefredaktion des Mindener Tageblatts und löst damit Christoph Pepper ab, der fast 27 Jahre an der Spitze der Redaktion stand und als einer der innovativsten Lokalzeitungschefredakteure Deutschland galt.

Auch Piel hat schon mit Ideen für besseren Lokaljournalismus auf sich aufmerksam gemacht. Selbst Themen setzen und recherchieren hält er für wichtig, aber auch mal Geschichten jenseits der 100 Zeilen zuzulassen. Piel ist überzeugt, dass die Themen in den Lokalzeitungen die Leser viel eher bewegen als viele Dinge in den überregionalen Medien.

Viel Wert legt der mit dem Theodor-Wolff-Preis ausgezeichnete Journalist auf den unmittelbaren Kontakt zu den Lesern. Man müsse sich Zeit für sie nehmen. Nicht nur, um Informationen zu bekommen, sondern auch um ihnen die journalistische Arbeit zu erklären. Wenn Leser erkennen, wie aufwendig eine Recherche sein kann, ließen sich auch Bezahlmodelle viel besser rechtfertigen.

Generell sollten Redaktionen auch Leserbriefen mehr Beachtung schenken – gerade jetzt, da die Gesellschaft in vielen Bereichen auseinanderdrifte. „Fast nichts bleibt hier ohne Widerspruch, und das ist doch toll, wenn wir als Zeitung ein Forum für Debatten vor Ort sind“, sagt Piel. Dass er mit dem Mindener Tageblatt eine online gut aufgestellte Zeitung übernimmt, die ihre Inhalte auch über Whatsapp, Facebook, Instagram und Twitter verbreitet, sieht er als gute Basis dafür, auch jüngere Leser an die Zeitung zu binden.

journalist-Autorin Catalina Schröder hat Benjamin Piel bei seinen letzten Recherchen für die Elbe-Jeetzel-Zeitung begleitet. Ihr Porträt lesen Sie in der Juni-Ausgabe des journalists. Neugierig? Dann hier entlang.

Die Redaktion - 1.6.2018