Arbeitsbedingungen beim Radio
Das Kreative bleibt auf der Strecke
Ergebnis einer Studie: Bei den öffentlich-rechtlichen Sendern ist die Arbeitsbelastung besonders stark gestiegen. (Foto: DLR/Bettina Straub)

„Die Arbeitsbelastung von Journalisten hat an vielen Stellen ein erträgliches Maß überschritten.“ So lautet der Befund einer Untersuchung bei öffentlich-rechtlichen und privaten Radiosendern, die Robin Schäfer im Rahmen seiner Masterarbeit angefertigt hat.

von Monika Lungmus

Keine Zeit, hoher Druck, Mehrarbeit. Die Arbeitsbelastung von Radiojournalisten ist hoch. Robin Schäfer, freier Journalist beim WDR, wollte es genauer wissen. Mit Hilfe von 15 Leitfadeninterviews, die er für seine Masterarbeit im Journalistik-Studiengang an der Universität Leipzig führte, wollte er zu qualitativen Aussagen darüber gelangen, wie hoch die Arbeitsbelastung wirklich ist und welche Faktoren dazu beitragen. Zudem wollte er herausfinden, ob es einen Unterschied macht, ob man beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk oder bei einem Privatsender arbeitet.

Die Interviews führte Schäfer mit neun Führungskräften und sechs Personal- und Betriebsräten von öffentlich-rechtlichen und privaten Radiosendern. Wobei die Interviews mit den Personal- und Betriebsräten dazu dienten, die Aussagen der Führungskräfte zu überprüfen. In drei Privatsendern gab es allerdings keinen Betriebsrat, so dass die Aussagekraft wegen der fehlenden Kontrollinstanz hier eingeschränkt war. Auch erhebt die Studie keinen Anspruch auf Repräsentativität.

Schäfer stellte fest: Im öffentlich-rechtlichen Rundfunk ist die Arbeitsbelastung besonders stark gestiegen. Eine Folge der Programmreformen und Sparmaßnahmen. Es werde deutlich mehr Programm mit deutlich weniger Leuten gemacht, so eine Befragte. Manche klagten, dass die Sendestrecken länger geworden seien, dass man jetzt Aufgaben von Technikern übernehmen müsse. Belastend sei auch der Druck von Vorgesetzten. Manche Kollegen seien „am äußersten Rand ihrer Kapazitäten angelangt“, so eine Befragte.

Auch die Kritik am beitragsfinanzierten Rundfunk und die Forderung nach dessen Abschaffung wird nach Aussagen der Befragten als belastend erlebt. Überrascht hat Robin Schäfer, „wie hoch die Unzufriedenheit mit der Führungsarbeit im öffentlich-rechtlichen Rundfunk ist“. Immer wieder sei betont worden, dass fachlich gute Journalisten in Führungspositionen gehoben werden, für die sie nicht geeignet seien. „Die befragten Privatradios stehen nicht nur in diesem Punkt besser da“, sagt Schäfer dem journalist. „Auch die Arbeitszufriedenheit ist höher und das Betriebsklima besser.“

Bei den Privatradios gebe es indes auch Defizite – etwa bei der Familienfreundlichkeit und den Fortbildungsmöglichkeiten. Zudem berichteten Befragte wiederholt von großen Gehaltsunterschieden bei vergleichbaren Jobs. Auch die überwiegend als zu niedrig bezeichnete Bezahlung sei ein Problem. „Das ist Gift für die Arbeitszufriedenheit.“ Die Befragten berichteten zudem, dass der Druck von Werbepartnern und die Notwendigkeit eines hohen Höreranteils eine zusätzliche Belastung darstellten.

„Dass die teils immense Arbeitsbelastung zu Qualitätseinbußen führt, liegt auf der Hand“, resümiert Schäfer. Einige Befragten gaben an, „dass die Kreativität auf der Strecke bleibt“. Ein Betriebsrat habe ihm berichtet: „Es ist permanent zu wenig Zeit!“ Schäfer: „Unter solchen Bedingungen passieren zwangsläufig Fehler.“ Erschreckend findet Schäfer, dass in fast allen befragten Redaktionen keine Feedback-Kultur gepflegt wird. „Dabei zeigen mehrere gut belegte Modelle der Arbeitswissenschaft beziehungsweise Arbeitspsychologie, wie wichtig Rückmeldung, Wertschätzung und Lob für die Arbeitszufriedenheit sind“, so Schäfer.

Die Redaktion - 6.2.2019