Ach Gottchen, RB Leipzig

journalist-Chefredakteur Matthias Daniel (Foto: journalist)

Im Editorial der Februar-Ausgabe kritisiert journalist-Chefredakteur Matthias Daniel die Autorisierungspraxis bei einem Interview mit Ralf Rangnick, das ursprünglich im Playboy erscheinen sollte. "Das nicht-gedruckte Interview" ist das Titelthema der journalist-Ausgabe im Februar. 

"Warum Sie in dieser Ausgabe kein Interview mit Ralf Rangnick lesen." So überschrieb Playboy-Chefredakteur Florian Boitin sein Februar-Editorial in eigener Sache. Der Journalist und Buchautor (Die Akte Hoeneß) Thilo Komma-Pöllath hatte Rangnick, den Sportdirektor des Fußballklubs RB Leipzig, im Dezember zu einem ausführlichen Interview getroffen. 1 Stunde, 37 Minuten, 17 Sekunden. Ein spannendes Gespräch, mit Witz und Tiefgang. Im Anschluss Handshake und ein gemeinsames Foto.

Dann kam die Autorisierung. Und das Interview war kaputt.

Von dem ursprünglichen Gespräch war nichts mehr übrig. Sätze wurden umgeschrieben, ganze Antworten waren gestrichen, Passagen neu formuliert. Weil auch "Nachverhandeln" nichts brachte, zog der Playboy die Notbremse. Das Stück wurde nicht gedruckt, und der Chefredakteur begründete das in seinem Editorial so: "Wenn durch die Autorisierung ein ursprünglich knackiges, pointiertes und authentisches Interview bis zur Unkenntlichkeit verändert, weichgespült und damit um konkrete und tatsächlich getroffene Aussagen bereinigt wird, dann greift das eindeutig in das Recht auf freie Presse ein. Dann wird unabhängiger Journalismus behindert."

Das kann man kaum treffender formulieren.

Das ganze Ärgernis Autorisierung fängt ja schon damit an, dass in der Regel gar nicht mehr der Gesprächspartner selbst sein Interview autorisiert, sondern PR-Berater oder Pressestellen schrauben an den Manuskripten herum, bis alles Lebendige herausgequetscht ist.

In zu vielen Fällen kommen die Autorisierer damit durch. Diesmal nicht. Der Playboy weigerte sich und machte die Sache sogar öffentlich. Ein ziemlich peinlicher Vorgang für Ralf Rangnick und erst recht für den Verein RB Leipzig.
Was dann folgte, hat fast kafkaeske Züge. Plötzlich wollte niemand mehr das Interview autorisiert haben. Stattdessen tritt Medienanwalt Professor Doktor Christian Schertz auf den Plan. Wie kleinkariert.

Wir haben Playboy-Autor und Rangnick-Interviewer Thilo Komma-Pöllath gebeten, die ganze Geschichte zu erzählen. Das können Sie in unserer Februar-Ausgabe nachlesen. Und wir dokumentieren die Autorisierung, das nichtgedruckte Gespräch. Denn für das Resultat ist es letztlich unerheblich, ob Herr Rangnick selbst, ob sein PR-Berater, die Pressestelle von RB Leipzig oder sonstwer die Autorisierung vorgenommen hat. Es bleibt ein verhunztes Gespräch. Ein mahnendes Beispiel.

Kommt Ihnen das bekannt vor? Haben Sie auch schon Ärger mit dem Autorisieren von Interviews gehabt? Melden Sie sich bei mir. Erzählen Sie uns ihre Geschichte. Wir werden das Thema weiter begleiten.

Matthias Daniel - 1.2.2018