Umfrage: Wie gehen die anderen TV-Sender mit dem Thema #MeToo um?

Wie gehen die anderen deutschen Fernsehsender mit dem Thema #MeToo um? Eine Umfrage des journalists bei elf Sendern zeigt: Auch dort sind Fälle sexueller Belästigung bekannt geworden.

von Kathi Preppner

In einer Umfrage hat der journalist bei den ARD-Anstalten, dem ZDF, der Mediengruppe RTL und ProSiebenSat.1 nachgefragt, ob es dort Vorfälle sexueller Belästigung und Machtmissbrauch gegeben hat. Dabei kam heraus, dass in den vergangenen Jahren mehrere Fälle bekannt geworden sind.

Der NDR verweist auf einen Fall von sexueller Belästigung in den vergangenen fünf Jahren, mit dem sich die entsprechende Beschwerdestelle beschäftigt habe. Auch Radio Bremen spricht von „einer Beschwerde, die Ende des vergangenen Jahres geführt wurde“. Bei SR, SWR, BR und dem ZDF gab es in den vergangenen Jahren jeweils „wenige Fälle“, so die Auskunft der Sender. ProSiebenSat.1 gibt an: „Wir hatten einen Fall in der jüngeren Vergangenheit, der auch sofort entsprechend sanktioniert wurde.“

Die Umfrage des journalists belegt, dass der WDR keinesfalls der einzige Sender ist, bei dem Fälle sexueller Belästigung bekannt geworden sind. Dabei zeigt sich: Die Mehrheit der Sender hat aus der #MeToo-Debatte gelernt und geht das Thema intensiv und auf vielen Ebenen an.

Jan Metzger, Intendant von Radio Bremen, sagt: „Eine Lehre, die wir aus den Erfahrungen des WDR gezogen haben, ist, dass wir die Möglichkeiten externer Beschwerden erweitern.“ Auch andere Sender haben ähnliche Anlaufstellen, etwa externe Ombudsleute, eingerichtet oder planen dieses. Moritz Graf von Merveldt, Chief Compliance Officer bei ProSiebenSat.1, sagt in der Umfrage des journalists: „Gleichzeitig beteiligen wir uns gemeinsam mit dem Verband Privater Rundfunk und Telemedien an der Etablierung einer branchenübergreifenden Beschwerdestelle gegen sexuelle Gewalt.“ Für die ARD hat BR-Intendant Ulrich Wilhelm die Unterstützung einer „unabhängigen, überbetrieblichen Beschwerdestelle in der Film- und Fernsehbranche“ zugesagt.

Der NDR will als eine von mehreren Maßnahmen den Verhaltenskodex des Senders ergänzen. Darin soll es künftig heißen: „Wir dulden keinen Sexismus und keine sexuelle Gewalt. Wir dulden keine Diskriminierung.“ NDR-Intendant Lutz Marmor sagt: „Das Thema #MeToo darf nicht wie ein Strohfeuer aufflammen und dann erlöschen. Es muss auf der Tagesordnung bleiben.“

Die Ergebnisse der Umfrage unter den elf deutschen Fernsehsendern veröffentlicht der journalist in seiner Juni-Ausgabe. Im Folgenden dokumentieren wir eine ausführliche Übersicht aller Fragen und Antworten:

 

1. Halten Sie Sexismus und Machtmissbrauch auch in Ihrem Sender für ein Problem?
 

NDR
 

Lutz Marmor, Intendant: Die Themen Sexismus und Machtmissbrauch sind potenziell für alle Unternehmen und gesellschaftlichen Institutionen ein Problem. Die öffentlich-rechtlichen Sender bilden keine Ausnahme, auch nicht der NDR, wie unser Medienmagazin „Zapp“ gezeigt hat. „Zapp“ berichtete im November 2017 über Erlebnisse von NDR-Volontären im Zusammenhang mit #MeToo; es ging dabei um verbale Übergriffe. Unmittelbar nach diesem Bericht habe ich eine breite Debatte über das Thema im gesamten NDR angestoßen mit dem Ziel, das Bewusstsein für Sexismus und Machtmissbrauch zu schärfen und wo nötig zu verändern.

Radio Bremen

 

Jan Metzger, Intendant: Sexualisierte Gewalt und Machtmissbrauch sind ein gesellschaftliches Problem. Deswegen muss sich jede Organisation – auch ein öffentlich-rechtlicher Sender – damit auseinandersetzen, in welcher Form und in welchem Maße sie möglicherweise davon betroffen ist. Radio Bremen tut dies.

rbb

Patricia Schlesinger, Intendantin: Ich halte es für ein Thema, das wir nicht ignorieren dürfen. Meine Haltung ist eindeutig: In Fällen sexueller Belästigung gibt es keine Toleranz. Wir wollen nicht abwarten oder in Deckung gehen, sondern aktiv in Erfahrung bringen, was im rbb und in den Vorgängersendern geschehen ist. Deshalb haben wir unsere Belegschaft online über ihre Erfahrungen befragt, selbstverständlich anonym und freiwillig. Die Antworten haben uns gezeigt, dass es Sexismus an einzelnen Stellen gab und gibt.

MDR

Susanne Odenthal, stellvertretende Unternehmenssprecherin: Die MDR-Intendantin hat wiederholt ihre klare Haltung zur Frage sexualisierter Gewalt und Abhängigkeitsstrukturen in der Medienbranche bekräftigt und ihr Engagement für gesellschaftliche Vielfalt betont: „Es gilt hier Null Toleranz.“

hr

Christoph Hammerschmidt, Leiter Kommunikation: Sexismus und Machtmissbrauch sind in unserer Gesellschaft und insbesondere im hr nicht tolerierbar. Wir nehmen die Themen Diskriminierung, sexuelle Belästigung oder Übergriffe am Arbeitsplatz seit Jahren sehr ernst und haben deswegen auch Ansprechpartner benannt und Strukturen geschaffen, die sich bewährt haben und kontinuierlich verbessert wurden.

SR

Reiner Buhl, stellvertretender Unternehmenssprecher: Auch wenn es schwer fällt, sich vorzustellen, dass sich nach den gesellschaftlichen Entwicklungen der vergangenen Jahrzehnte und gerade auch der aktuellen #MeToo-Debatte Verantwortliche heute noch in dieser Weise verhalten könnten, müssen wir davon ausgehen, dass Macht- und Funktionsmissbrauch in jedem Unternehmen von der Größenordnung des SR vorkommen können. Wir sind allerdings der festen Überzeugung, dass wir durch die vielen Anlaufstellen dazu beitragen, dass Betroffene Rat und Hilfe bekommen können. Die Geschäftsleitung ist der Überzeugung, dass Funktionsmissbrauch am besten durch angstfreie Kommunikation untereinander verhindert wird. Daher hatte der SR bereits vor der #MeToo-Debatte das Projekt „Wir im SR: Zusammen besser“ aufgelegt, das den angstfreien Umgang auf Augenhöhe im Haus fördern soll.

SWR

Wolfgang Utz, Unternehmenssprecher: Jedes Unternehmen ist immer auch Spiegel der Gesellschaft. Insofern können also auch hier Sexismus und Machtmissbrauch ein Thema sein. Das Entscheidende dabei ist: Wie geht ein Unternehmen damit um? Wir nehmen jede Klage über sexuelle Belästigung im SWR ernst und werden dieses Verhalten nicht hinnehmen oder dulden. Deshalb ist es wichtig, dass wir gemeinsam mit allen Beschäftigten dieses Thema aufgreifen. Es geht dabei um die Kultur im SWR, wie sie im Leitbild beschrieben wird: ‚Offenheit und Vertrauen sind die Voraussetzung für eine gute Zusammenarbeit. Wir gehen fair und respektvoll miteinander um. Kernstück unserer Unternehmenskultur ist, dass wir uns als Personen achten.‘ Oder um es in einem Satz zusammenzufassen: Geringschätzung, verachtendes Verhalten und Diskriminierung dürfen im SWR keinen Platz haben.

BR

Pressestelle: Im BR nehmen wir nehmen Missbrauchsvorwürfe sehr ernst. BR-Intendant Ulrich Wilhelm hat bei mehreren Gelegenheiten und internen Veranstaltungen in den vergangenen Wochen und Monaten erneut die „Null-Toleranz-Politik“ des BR betont: Unsere Mitarbeitenden müssen vor Übergriffen und Sexismus geschützt sein. Sexuelle Belästigung und Ausnutzung von Machtpositionen dulden wir nicht. Gleichzeitig verdeutlichen die jüngsten Diskussionen rund um #MeToo, dass das Thema ein gesamtgesellschaftliches ist und sehr viele Branchen, von Sport bis Theater und sogar eine so renommierte Institution wie das Literaturnobelpreiskomitee betreffen kann.

ZDF

Alexander Stock, Leiter Hauptabteilung Kommunikation:
k.A.

Medien-
gruppe RTL
Deutsch-land

Konstantin von Stechow, Leitender Redakteur Unternehmenskommunikation: Tritt ein Fall von Sexismus oder Machtmissbrauch in einem Unternehmen auf, sollte dies immer als problematisch eingestuft werden. Zu behaupten, es gäbe gar kein diesbezügliches Fehlverhalten, wäre für jedes Unternehmen einer gewissen Größe zumindest gewagt. So gab es auch bei uns Einzelfälle, die diesen Kategorien zuzuordnen sind. Gab es bei uns jedoch jemals eine (uns bekannte) Häufung von Fällen, in denen Sexismus und/oder Machtmissbrauch eine Rolle spielte? Dies können wir klar verneinen.

ProSieben
Sat.1

Moritz Graf von Merveldt, Chief Compliance Officer: Es wäre vermessen zu behaupten, solche Vorwürfe wären auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk oder irgendeine andere Branche beschränkt. Überall dort, wo es Abhängigkeiten gibt, kann das Thema relevant werden. Die aktuelle Debatte hat gezeigt, dass jeder wachsam sein muss.

2. Was unternimmt Ihr Sender, um sexistischem Verhalten und sexueller Belästigung vorzubeugen?
 

NDR

Wir haben mit Unterstützung der Personalvertretungen und der Gleichstellungsbeauftragten eine Vielzahl von Maßnahmen ergriffen. Dazu zählt etwa das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz, über dessen Inhalte wir regelmäßig Schulungen anbieten, oder der NDR Verhaltenskodex, in dem wir folgenden Satz ergänzen werden: „Wir dulden keinen Sexismus und keine sexuelle Gewalt. Wir dulden keine Diskriminierung.“
Im Dezember 2017 gab es eine große Informationsveranstaltung und außerdem diverse Diskussionsforen und Vorträge. Wir haben ein neues Aus- und Fortbildungsangebot aufgelegt, es heißt „Sexismus am Arbeitsplatz – Was tun?!“ Mitarbeiter können sich bei unserem Partner im Familienservice benefit@work rund um die Uhr an Psychologen wenden, auch anonym, wenn sie möchten. An die Gleichstellungsbeauftragten kann man sich ebenfalls anonym wenden. Für eine interne Beratung stehen daneben die AGG-Beschwerdestelle, die Personalabteilung beziehungsweise die Personalbüros der Landesfunkhäuser und die Personalvertretungen zur Verfügung. Wir haben außerdem auch die Möglichkeit geschaffen, bei Wahrung der Anonymität eine Debatte in Redaktionen und Abteilungen zu ermöglichen.

Radio
Bremen

Radio Bremen ist ein kleines Haus und ist stolz auf seine Kultur des respektvollen und freundlichen Miteinanders. Da sexistisches Verhalten und sexuelle Belästigungen dennoch nicht ausgeschlossen werden können, hat es bei Radio Bremen seit Beginn der #MeToo-Debatte eine Reihe von internen Veranstaltungen mit Belegschaft und Führungskräften gegeben, um die Sensibilität für diese Themen zu schärfen. Diese Veranstaltungen werden fortgeführt – unter anderem soll das Thema in die Schulung von Führungskräften und in die Volontärs-Ausbildung einbezogen werden. Wir wollen bei Radio Bremen ein Klima, in dem sexualisierte Gewalt und Machtmissbrauch möglichst nicht vorkommen – und wollen gleichzeitig die Schwelle dafür senken, dass diejenigen, die solche Erfahrungen dennoch machen, sich zur Wehr setzen können und auf den im Haus dafür vorgesehenen Wegen dagegen vorgehen.

rbb

Im rbb haben wir eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, die sich ausschließlich über den Umgang mit Sexismus und sexueller Belästigung Gedanken macht. Zudem haben unsere Mitarbeiter einige konstruktive Vorschläge gemacht, wie wir als Sender gegen Sexismus vorgehen können. Als erstes Resultat wird es Anfang Juni eine interne Veranstaltung geben, eine Art Belegschaftsworkshop. Dabei wollen wir gemeinsam mit unseren Mitarbeitern herausfinden, welche Maßnahmen und Schutzmechanismen wir anbieten und entwickeln können, um Auszubildende, Volontäre, Freie und Festangestellte gleichermaßen zu schützen.
Außerdem werden unsere Führungskräfte in verpflichtenden Fachseminaren zum Thema „Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz“ informiert. Ein entsprechendes Modul in den Volontariats- und Ausbildungs-Lehrplänen ist ebenfalls vorgesehen. Darüber hinaus planen wir die Einrichtung eines Postfachs für anonyme Hinweise auf sexuelle Belästigung. Das ist ein zusätzliches niedrigschwelliges Angebot, um Fälle von sexueller Belästigung am Arbeitsplatz früh zu erkennen.

MDR

Im MDR bestehen bereits mehrere Richtlinien, Dienstvereinbarungen und Dienstanweisungen, die bei Fällen sexueller Belästigung in Frage kommen könnten. Das sind beispielsweise die Führungsleitlinien, die Dienstvereinbarung Konfliktbewältigung, der Leitfaden der Antidiskriminierungsstelle des Bundes oder der Mitarbeiterkodex. Für Führungskräfte sowie für Mitarbeiter gibt es Schulungsmaßnahmen, im Intranet wird regelmäßig informiert über Regelwerke und Hilfsangebote. Darüber hinaus gehen Gleichstellungsbeauftragte und Compliance-Beauftragte das Thema aktiv an.

hr

Im hr herrscht ein sehr vertrauensvolles Arbeitsklima. In der Regel wenden sich Mitarbeiter bei Problemen beziehungsweise Fragen an den direkten Vorgesetzten. Der Leitfaden der Antidiskriminierungsstelle ist im hr Arbeitsgrundlage. Bspw. dient er dem hr-Format des „Info-Talk“ als Grundlage. Beim „Info-Talk“ klärt die Gleichstellungsbeauftragte einzelne Teams über das Thema sexuelle Belästigung, die Folgen, das hr-interne Verfahren in solchen Fällen, aber auch über externe Beratungsmöglichkeiten auf.

SR

Im SR wird besonders auf die vorhandenen internen und externen Anlaufstellen hingewiesen und auch die Führungskräfteschulungen nehmen sich des Themas ausdrücklich an. Im Übrigen hebt der SR im Lichte der #MeToo-Debatte sexuelle Belästigung/Übergriffe im Canon der Compliance-Tatbestände deutlicher hervor und richtet sein diesbezügliches Compliance-Management zusätzlich darauf aus.

SWR

Sexuelle Belästigung ist kein Kavaliersdelikt, sondern ein schwerwiegendes Vergehen. Deshalb ist Aufklärung die beste Prävention für Mitarbeiter und für Führungskräfte. Regelmäßige Schulungen oder Pflichtfortbildungen können hier eine gute Unterstützung geben. Ein Präventions-Workshop ist deshalb beim SWR in Vorbereitung. Darüber hinaus werden gerade spezifische Handlungshinweise für Führungskräfte erarbeitet.

BR

Uns ist es wichtig, ein Betriebsklima zu schaffen, das von gegenseitiger Achtung und einem respektvollen Miteinander von Frauen und Männern geprägt ist. Folgende Maßnahmen bietet der BR zur Vorbeugung an:
- Information und Sensibilisierung der Mitarbeiter und
  Führungskräfte zur „Null-Toleranz-Politik“,
- Verankerung der „Null-Toleranz-Politik“ im Gleichstellungskonzept
  des BR,
- standardmäßiger Hinweis bei Einstellungen auf die Informationen
  zum Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG),
- breites Netz an Anlaufstellen für Betroffene:
    - Führungskräfte
    - Mitarbeitende der HA Personal
    - AGG-Beauftragte
    - Gleichstellungsbeauftragte und ihre     Stellvertretung
    - Mitglieder des Personalrats
    - Mitglieder der Freienvertretung
    - Mitarbeitende der Juristischen Direktion
    - Mitarbeitende im Gremienbüro
    - Ombudsmann
    - Prävention in der Ausbildung durch Workshops
    - Führungskräfteschulungen
    - Impuls-Beratung des Betrieblichen        
      Gesundheitsmanagements (BGM)
    - Kommunikation über das Intranet.

ZDF

Das ZDF toleriert keine Diskriminierungen und Belästigung. Die Geschäftsleitung hat dies im Kontext der Vorwürfe gegen Dieter Wedel Anfang des Jahres deutlich nach innen und außen kommuniziert. An die Beschäftigten wurde appelliert, Fehlverhalten nicht zu ignorieren, sondern zu benennen.

Medien-
gruppe RTL
Deutsch-land

Wir nehmen das Thema Machtmissbrauch sehr ernst. Der konzernweit geltende Code of Conduct der RTL Group legt nicht nur Antidiskriminierungsregeln fest, sondern sieht zudem eine externe Ombudsperson vor, die auch von den Produktionsbeteiligten von Eigen- oder Auftragsproduktionen der Mediengruppe RTL im Falle von Diskriminierungen beziehungsweise bei Bedenken über das Verhalten am Arbeitsplatz kontaktiert werden kann. Uns sind die Prinzipien der offenen Aussprache, des gegenseitigen Vertrauens und des Respekts im Umgang miteinander in besonderem Maße ein Anliegen. Nur so kann Fehlverhalten frühzeitig erkannt und auch korrigiert werden. Einschüchterungsversuche und Repressalien dürfen nicht geduldet werden. Im Gegenteil: Wir möchten ein Arbeitsumfeld fördern, das von Respekt und Toleranz geprägt ist und in dem sich die Beteiligten mit Höflichkeit, Ehrlichkeit und Würde begegnen. Die zusätzlich innerhalb der gesamten RTL Group veröffentlichte Richtlinie zum Thema „Zero Tolerance towards Sexual Harassment“ gilt natürlich auch für die Mediengruppe RTL.

ProSieben
Sat.1

Wir haben uns schon vor der #MeToo-Debatte klar gegen derartiges Verhalten positioniert und das Unternehmen sensibilisiert. Bereits 2010 haben wir uns beispielsweise einen „Code of Conduct“ gegeben – einen Verhaltenskodex, der unter anderem jegliche Art von sexueller Gewalt oder Machtmissbrauch nicht toleriert. Alle Mitarbeiter unterzeichnen diesen Kodex bei Vertragsbeginn und müssen in regelmäßigen Abständen an einer Schulung zu Anti-Diskriminierung teilnehmen.

3.  Wie geht Ihr Sender bei Vorwürfen sexueller Belästigung vor?
 

NDR

Das hängt vom konkreten Einzelfall ab. Häufig geht es Ratsuchenden zunächst um eine vertrauliche Beratung, verbunden mit dem Wunsch, auch präventiv Hinweise zu bekommen, wie im Fall der Fälle reagiert werden kann. Die Beratung kann auch den Anstoß zu weiteren Gesprächen geben, zum Beispiel durch die Gleichstellungsbeauftragten über die jeweiligen Vorgesetzten. Bei Bedarf können Abteilungsversammlungen oder Redaktionssitzungen mit den Gleichstellungsbeauftragten und gegebenenfalls auch mit der AGG-Beschwerdestelle einberufen werden. Das Ziel dabei ist, die Thematik aufzuarbeiten, mögliche Maßnahmen zu erläutern und einen wertschätzenden Umgang einzufordern.
Gibt es einen konkreten Vorwurf gegen jemanden, dann geht die Personalabteilung diesem Vorwurf nach, gibt der Person die Möglichkeit zur Stellungnahme und prüft anschließend arbeitsrechtliche Konsequenzen.

Radio Bremen

Radio Bremen arbeitet zurzeit an einer „Dienstanweisung zum Schutz vor sexuellen Belästigungen am Arbeitsplatz“. Darin wird genau beschrieben, wie eine Betroffene / ein Betroffener in einem solchen Fall vorgehen kann: Es gibt interne Beschwerdestellen (männlich / weiblich), die in solchen Fällen handeln müssen, es gibt interne Vertrauenspersonen (zum Beispiel die Frauenbeauftragte) und es gibt externe Beschwerdestellen (zum Beispiel die externe Mitarbeitenden-Beratung und demnächst auch eine Anwaltskanzlei mit Ombuds- Funktion).

rbb

Im rbb gibt es gezielt geschulte und neutrale Anlaufstellen für Hinweise auf sexuelle Belästigung: Das sind Konfliktberaterin und die Frauenvertreterin, dazu natürlich die Personalabteilung, der Betriebsarzt, der Personalrat, die Compliancebeauftragte, der Suchtbeauftragte, die Schwerbehindertenvertretung, die Jugend- und Auszubildendenvertretung und der Redakteursausschuss. Den Betroffenen ist strikte Vertraulichkeit zugesichert. Jeder Hinweis, der bei der Personalabteilung eingeht, wird vom Justiziariat gewissenhaft geprüft. Als Arbeitgeber haben wir die Pflicht, unsere Mitarbeiter zu schützen. Und dann gibt es die üblichen arbeitsrechtlichen Mittel, die je nach Schwere des Übergriffs bis zu einer Kündigung führen können.

MDR

Für den Fall, dass sich Beschäftigte von sexueller Belästigung betroffen fühlen, gibt es interne und externe Ansprechpartner, an die man sich vertraulich wenden kann und die im Einzelfall auch Anonymität gewährleisten. Ansprechpersonen können (natürlich neben der Hinzuziehung einer eigenen Person des Vertrauens) die Führungskräfte, die Personalbetreuer, die Personalräte sowie gegebenenfalls die Schwerbehindertenvertretung beziehungsweise die Jugend- und Auszubildendenvertretung, die Gleichstellungsbeauftragte, die Compliance-Beauftrage, senderinterne Mediatorinnen oder auch die betriebliche Sozialberaterin sein. Als externe Ansprechpartnerin für Verstöße gegen die sexuelle Selbstbestimmung steht zusätzlich eine externe Ombudsfrau zur Verfügung.

hr

Im hr gibt es ein abgestimmtes, transparentes und erprobtes Verfahren unter Beteiligung der Gleichstellungsbeauftragten, der Juristischen Direktion, des Personalmanagements, des Personalrats und gegebenenfalls der Schwerbehindertenvertretung und/oder der Jugend-und Auszubildendenvertretung. Hauptansprechpartnerin ist die Gleichstellungsbeauftragte; aber auch Personalmanager, Juristische Direktorin oder der Personalrat gelten als Ansprechpartner für Beschäftigte. Selbstverständlich kann sich jeder Mitarbeitende auch an die direkte Führungskraft wenden.

SR

Nein. Aber wie bereits erwähnt: Schon vor Bekanntwerden der Vorwürfe gegen Dieter Wedel hatte der SR zur Vorbeugung und zur Unterstützung eines angstfreien Umgangs miteinander folgende Anlaufstellen geschaffen, die im Ernstfall Betroffenen Rat und Hilfe anbieten:
- die externe Konflikt- und Sozialberaterin Ulrike Herbeck. Die Konfliktberaterin berichtet der Geschäftsleitung mindestens einmal jährlich über ihre Arbeit und in anonymisierter Form auch über die Themenschwerpunkte ihrer Klienten;
- die interne Vertrauensperson (derzeit die Leiterin der Intendanz
  Armgard Müller-Adams),
- die externe Vertrauensperson (derzeit Rechtsanwalt Justizrat Kurt Haag),
- die Frauenbeauftragte (derzeit Barbara Lessel-Waschbüsch),
- das Justiziariat sowie
- der Personalrat.
Zusätzlich plant der SR die Schaffung eines Compliance-Ausschusses.

SWR

Es gibt die Möglichkeit, sich unmittelbar zu beschweren. Der SWR hat eine Beschwerdestelle, so wie sie im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) vorgesehen ist. Sie ist in der Personalabteilung angesiedelt. Auf jeden Fall gilt: Der SWR hat gegenüber den Mitarbeitenden eine Fürsorgepflicht und wird in solch einem Fall handeln. Die Betreffenden können sich Unterstützung suchen, zum Beispiel bei den Beauftragten für Chancengleichheit, Kollegen im Personalrat und den Vorgesetzten.

BR

Der BR geht allen Fällen, die im Personalbereich gemeldet werden, nach. Fehlverhalten hat Konsequenzen. In Betracht kommen nach dem Gesetz Maßnahmen wie Versetzung, Abmahnung und in gravierenden Fällen auch die Kündigung.

ZDF

Für Fälle der sexuellen Belästigung gilt zunächst eine mit dem Personalrat geschlossene Dienstvereinbarung, die sogenannte „Leitordnung“. Dort sind Grundsätze der Mitarbeit im ZDF und der Zusammenarbeit geregelt. Hier ist unter anderem festgehalten, dass jeder Mitarbeiter das Recht hat, sich über die Verletzung seiner Rechte zu beschweren, und dass aus einer solchen Beschwerde keine Nachteile erwachsen dürfen. Mitarbeiter des ZDF können sich an ihre Vorgesetzten, an die Personalvertretung, die Gleichstellungsbeauftragte oder eine hierfür explizit benannte Vertrauensperson in der Personalabteilung wenden.
Der Sachverhalt muss aufgeklärt und gegebenenfalls notwendige disziplinarische oder arbeitsrechtliche Schritte eingeleitet werden.

Medien-
gruppe RTL

Wird uns ein Fall bekannt, prüfen wir diesen sorgfältig und hören dabei alle beteiligten Parteien an. Erweisen sich Vorwürfe als wahr, ergreifen wir entsprechende Maßnahmen. Potenzielle Ansprechpartner sind neben der bereits oben genannten Ombudsperson das Compliance Team der RTL Group, die jeweiligen Vorgesetzten und Betriebsräte sowie eine explizite Ansprechpartnerin in der Personalabteilung.

ProSieben
Sat.1

Wenn Mitarbeiter von Verstößen erfahren oder unmittelbar davon betroffen sind, können sie sich an ihre Vorgesetzten, die Personalabteilung oder die Compliance-Verantwortlichen wenden. Das gilt nicht nur für Missbrauchsfälle, sondern ganz allgemein. Wichtig dabei: Niemand muss sich für einen in gutem Glauben abgegebenen Hinweis rechtfertigen. Zudem hat der Vorstand beschlossen, den Mitarbeitern künftig die Möglichkeit zu geben, Hinweise auf Rechtsverstöße über eine Ombudsperson auch anonym abzugeben. Die Abstimmung mit den zuständigen Betriebsratsgremien über die Ausgestaltung des Meldesystems läuft noch, soll aber bis Ende 2018 abgeschlossen sein.

4. Gab es in Ihrem Sender in der Vergangenheit Fälle von sexueller Belästigung, die aktenkundig geworden sind?
 

NDR

Die Gleichstellungsbeauftragten im NDR bieten zum Thema sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz Sprechstunden an, die vertraulich sind. Sie führen keine Statistik darüber. Im Rahmen der #MeToo-Debatte der letzten Monate haben sie allgemein einen erhöhten Beratungsbedarf festgestellt. Die AGG-Beschwerdestelle im NDR hat sich in den vergangenen fünf Jahren mit einem Fall wegen sexueller Belästigung beschäftigt.
Dieser Fall wurde mit entsprechenden arbeitsrechtlichen Maßnahmen abgeschlossen.

Radio Bremen

Es gibt bei Radio Bremen keine bekannten länger zurückliegenden Vorfälle. Es gibt eine Beschwerde, die Ende des vergangenen Jahres im Rahmen der #MeToo-Debatte geführt wurde. Die betroffene Kollegin hat sich an die dafür vorgesehenen Stellen im Haus gewandt, sich am Ende aber nicht dafür entschieden, den Fall weiter verfolgen zu lassen.

rbb

Nach meinem Kenntnisstand gibt es keine aktenkundigen Vorfälle.

MDR

Wegen der strikten Vertraulichkeit der Gespräche und der teilweise zugesicherten Anonymität bitten wir zugleich um Verständnis, dass wir dazu keine statistischen Daten öffentlich machen.

hr

Wir wissen natürlich, dass Sexismus und Machtmissbrauch wie in allen Unternehmen auch im hr nicht auszuschließen sind. Aufgrund der strikten Vertraulichkeit der Gespräche und der teilweise zugesicherten Anonymität bitten wir um Verständnis, dass wir hierzu keine Angaben machen können.

SR

Der SR hat selbst und vor Beginn der öffentlichen Debatte um den WDR Mitarbeitern in der oben beschriebenen Weise erneut die Möglichkeiten aufgezeigt, an wen sie sich wenden können, sollten sie Funktionsmissbrauch erleben oder beobachten. Das Echo war gering. Die wenigen gemeldeten Beispiele waren in Art und Umfang in keiner Weise mit den beim WDR bekannt gewordenen Fällen zu vergleichen. Der SR ist den Meldungen sorgfältig nachgegangen und hat auch Sanktionen ergriffen.

SWR

Im SWR sind nur wenige Einzelfälle in den letzten Jahren bekannt geworden. Sie haben sich vorwiegend auf der rein verbalen Ebene ereignet und wurden umgehend von der Personalabteilung beziehungsweise der AGG-Beschwerdestelle in enger Zusammenarbeit mit den Beauftragten für Chancengleichheit und den Personalvertretern aufgegriffen.

BR

Im Personalbereich wurden in den vergangenen zehn Jahren nur einige wenige Fälle von Belästigung gemeldet.

ZDF

In den vergangenen Jahren gab es nur einige wenige Fälle, die im Sinne der genannten Dienstvereinbarung behandelt wurden.

Medien-
gruppe RTL
Deutsch-land

Für ein Unternehmen unserer Größe mit aktuell rund 3.300 Mitarbeitern zu behaupten, es habe keinerlei Vorfälle in dieser Richtung gegeben, ist leider unmöglich. Da unsere höchste Priorität bei möglichen Verstößen gegen unsere Antidiskrimierungsregeln auf dem Schutz der Betroffenen liegt, bitten wir um Verständnis dafür, dass wir uns dazu aber nicht weiter öffentlich äußern werden.

ProSieben
Sat.1

Wir hatten einen Fall in der jüngeren Vergangenheit, der auch sofort entsprechend sanktioniert wurde. Zudem haben wir die Debatte und die Vorwürfe gegen Dieter Wedel, der für SAT.1 vor rund 30 Jahren „Der König von St. Pauli“ gedreht hat, zum Anlass genommen, einen Untersuchungsprozess aufzusetzen und die Mitarbeiter nochmals klar zu sensibilisieren. Wir arbeiten den Fall gerade auf, was jedoch nicht einfach ist, da die Produktion sehr lange zurückliegt.

5. Welche Lehren ziehen Sie für Ihr Haus daraus, wie der WDR aktuell mit bekanntgewordenen Fällen sexueller Belästigung umgeht?
 

NDR

Die Erfahrungen und Überlegungen des WDR bestätigen, dass der NDR mit seiner offenen Diskussionskultur und den getroffenen Maßnahmen auf dem richtigen Weg ist. Uns kommt es darauf an, in der Wahrnehmung von und im Umgang mit sexueller Belästigung wirklich bei allen eine nachhaltige Bewusstseinsänderung zu erreichen. Das Thema #MeToo darf nicht wie ein Strohfeuer aufflammen und dann erlöschen. Es muss auf der Tagesordnung bleiben.

Radio Bremen

Es steht uns nicht zu, das konkrete Vorgehen des WDR zu bewerten. Eine Lehre, die wir aus den Erfahrungen des WDR gezogen haben, ist, dass wir die Möglichkeiten externer Beschwerden erweitern.
Ein wichtiges Hindernis, Erfahrungen von sexualisierter Gewalt und Machtmissbrauch mitzuteilen, scheint die Furcht vor internem Gerede zu sein. Deshalb ist es wichtig, auch Anlaufstellen außerhalb der Organisationen zu haben.

rbb

Wir sehen uns darin bestätigt, dass ein konstruktiver Dialog und ein offenes Klima im Haus wichtig sind.

MDR

Der MDR hat sich bereits vor dem Bekanntwerden der Fälle im WDR mit dem Thema befasst und ineinandergreifende Maßnahmen sowie einen Kreis von Ansprechpartnern installiert.

hr

Der hr arbeitet insgesamt an einer Kultur des sicheren Arbeitsplatzes, der Information und Aufklärung. Dazu gehören die Einbindung der Gleichstellungsbeauftragten, die Info-Talks, das Bekanntmachen der vielfältigen Beratungsangebote und der internen Verfahren. In einem Interview im Intranet, das sich an alle Mitarbeitenden richtet, hat hr-Intendant Manfred Krupp genau diese Haltung auch bekräftigt: „Wir dulden keine sexuelle Belästigung! Unsere Augen und Ohren sind weit geöffnet.“

SR

Wir äußern uns nicht zu internen Vorgängen anderer Landesrundfunkanstalten und können uns auch nicht mit Dritten vergleichen.

SWR

Wir haben bereits seit Beginn der #MeToo-Debatte das Thema im Haus verstärkt in einigen Gremien mit den Verantwortlichen der Personalabteilung beziehungsweise der AGG-Beschwerdestelle, den Beauftragten für Chancengleichheit sowie den Personalvertretern auf Basis der Vorgaben der Antidiskriminierungsstelle des Bundes diskutiert und neben der verstärkten Sensibilisierung im Intranet und im sogenannten Führungskräfteportal spezielle Fortbildungen und Infoveranstaltungen für Führungskräfte und Mitarbeitende initiiert.

BR

Der BR hält bereits seit langem ein bewusst breites Netz an Ansprechpartnern vor. Darüber hinaus hat sich der ARD-Vorsitzende, BR-Intendant Ulrich Wilhelm, in Bezug auf die Film- und Fernsehbranche früh positioniert. Er erinnerte Anfang Februar daran, dass die Anlaufstellen im BR und in den anderen Landesrundfunkanstalten auch für die Menschen offen stehen, die als Mitwirkende von ARD-Ko- und Auftragsproduktionen betroffen sind. In diesem Sinne sagte der ARD-Vorsitzende auch die Unterstützung einer unabhängigen, überbetrieblichen Beschwerdestelle in der Film- und Fernsehbranche zu. (...)

ZDF k.A.

Medien-
gruppe RTL
Deutsch-land

Wir haben die aktuelle Debatte zum Anlass genommen, unsere eigenen Maßnahmen noch einmal genau zu prüfen. Zusätzlich zu diesen Maßnahmen haben wir im Kontext der #MeToo-Debatte in der gesamten RTL Group eine Zero Tolerance Initiative gestartet (siehe oben).

ProSieben
Sat.1

Wir haben das Thema auch schon vorher ernst genommen, wie gerade schon beschrieben. Zudem schärfen wir das Bewusstsein bei der Belegschaft und den Führungskräften jetzt noch einmal verstärkt.Gleichzeitig beteiligen wir uns gemeinsam mit dem Verband Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT) an der Etablierung einer branchenübergreifenden Beschwerdestelle gegen sexuelle Gewalt.

 

Die Redaktion - 1.6.2018