Interviewreihe: Der öffentlich-rechtliche Rundfunk

17 Interviews zur Zukunft des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Der journalist hat zusammen mit Studierenden der Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft eine große Interviewreihe initiiert, die versucht, ein vielfältiges Stimmungsbild der Situation von ARD und ZDF einzuholen. journalist-Chefredakteur Matthias Daniel gibt einen Überlick.

"Ein perfektes System gibt es nicht." Das sagt Hermann Eicher im 4. Teil unserer Interviewreihe. Eicher ist Justiziar des SWR und gilt als "Erfinder" des Rundfunkbeitrags. Ein Begriff, den Kritiker oft meiden. Da wird immer noch von "GEZ-Gebühr" gesprochen oder, wenn es noch etwas abfälliger klingen soll, von "Zwangsgebühr". Hermann Eicher ist Kritik gewohnt, sie gehört quasi zu seinem Job, denn "eine Abgabe zahlt niemand gerne". Und so stehen die monatlich 17,50 Euro oft beispielhaft für das, was Menschen am gesamten System des öffentlich-rechtlichen Rundfunks auszusetzen haben.

ARD, ZDF und die anderen öffentlich-rechtlichen Sender stehen in der Kritik wie selten zuvor. Es geht um Geld, um Inhalte, um Struktur, es geht um Plattformen, um Glaubwürdigkeit und Unabhängigkeit, es geht um den Auftrag. Es geht scheinbar um alles.

Daraus versucht derzeit besonders die AfD, politisch Kapital zu schlagen. Ein Konzept für ein öffentlich-rechtliches Rundfunksystem hat die Partei zwar bislang nicht. Das hält AfD-Politiker Sven Tritschler aber nicht davon ab, im 15. Teil unserer Interviewreihe mal eben das ZDF für verzichtbar zu erklären und sich einen werbefreien "Grundfunk" vorzustellen.

Die Bandbreite von Themen und Meinungen ist groß, wenn es um die Zukunft des öffentlich-rechtlichen Rundfunks geht. Zusammen mit Studierenden der Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft haben wir versucht, ein vielfältiges Stimmungsbild einzuholen. In 17 Interviews gehen wir der Frage nach: Wie steht es um die Zukunft des öffentlich-rechtlichen Rundfunks?

Darin kommen Macher und Verantwortliche zu Wort: Julia Rehkopf zum Beispiel, die mit ihren Kollegen des Y-Kollektivs für Funk über die Themen ihrer Generation berichtet. ARD.de-Redaktionsleiter Thomas Laufersweiler erklärt, warum die ARD kein deutsches Netflix werden kann. Genauso kommen in der Interviewreihe Beobachter und Kritiker zu Wort: FAZ-Medienjournalist Michael Hanfeld sagt zum Beispiel: Der Begriff "Staatsjournalismus" sei als polemische Zuschreibung okay. Und wie blickt Leonhard Ottinger, Leiter der RTL-Journalistenschule, auf die öffentlich-rechtliche Konkurrenz?

Hier die Übersicht der Interviews:

Teil 1: Julia Rehkopf (Y-Kollektiv): "Der Moment muss echt sein" (von Marième Kandji)

Teil 2: Ralf Kabelka (Autor/Comedian): "Was soll das für eine Satire sein, die politisch ausgewogen ist? (von Alexander Hartwig)

Teil 3: Steffen Grimberg (MDR Medien360G): "Da steckt noch Leben drin" (von Kimberly Schäfer)

Teil 4: Hermann Eicher (SWR-Justiziar): "Ein perfektes System gibt es nicht" (von Mariella Linkert)

Teil 5: Leonhard Ottinger (RTL-Journalistenschule): "Ohne Öffentlich-Rechtliche würde mir etwas fehlen" (von Kendra Roth)

Teil 6: Michael Hanfeld (FAZ-Medienredakteur): Der Begriff Staatsjournalismus als "polemische Zuschreibung" (von Theresa Templin)

Teil 7: Sebastian Katthöver (Deutsche Welle): "YouTube ist nachhaltiger als Facebook" (von Julia Brockmann)

Teil 8: Clarissa Corrêa da Silva (Wissen macht Ah!): "Man sollte immer wozu fragen und nicht warum" (von Cindy Simon)

Teil 9: Thomas Laufersweiler (ARD.de-Redaktionsleiter): "Wir können kein deutsches Netflix werden" (von Tolgahan Gercek)

Teil 10: Thomas Nückel (FDP-Medienpolitiker): "Das muss sich ändern" (von Tim Hartmann)

Teil 11: Axel Link (TV-Betreiber): "Der Wunsch des Publikums, selbst zu bestimmen, wird noch größer werden" (von Vanessa Schmitz)

Teil 12: Florentin Will (Comedian/Autor): "Ich habe gar keinen Fernseher zu Hause" (von Lars Pricken)

Teil 13: Andreas Lützkendorf und Claudia Stocksieker (Tagesschau/Mics News): "Es ist unser Auftrag, alle zu erreichen" (von Jeff Rossler)

Teil 14: Ulrich Potofski (Moderator): "Live-Fußball wird weitgehend aus den öffentlich-rechtlichen Programmen verschwinden" (von Mario Schmidt)

Teil 15: Sven Tritschler (AfD-Landtagsabgeordneter in NRW): "Die Führungskräfe der Tagesschau wissen, was von ihnen erwartet wird" (von Anke Kleefisch)

Teil 16: Meike Raabe (Psychologin): "Das ist meistens ein innerer Kampf" (von Marlene Kruppa)

Teil 17: Christoph Bökamp (CvD Meworks): "Wir brauchen so viele seriöse Quellen wie möglich" (von Noémi-Raquel Itgen)

Die Redaktion - 4.9.2018