Besser kommentieren

Gezielt fragen, konstruktiv einbinden. "Was muss sich im öffentlichen Nahverkehr ändern?", fragte Zeit Online seine Leser. Die Kommentare fanden Eingang in weitere Artikel und wurden in die Texte eingebunden. (Foto: journalist)

Die Masse von Hass-Kommentaren überfordert viele Redaktionen. Aber man muss nicht gleich den Kommentarbereich schließen. Es gibt auch andere Strategien, unqualifizierte Nutzerkommentare loszuwerden und zugleich den Dialog mit den Nutzern zu verbessern.

Nachdem etliche Medienhäuser in den vergangenen Jahren ihren Kommentarbereich geschlossen haben, zeichnet sich jetzt eine andere Entwicklung ab: Zunehmend versuchen Redaktionen, konstruktive Leser-Rückmeldungen zu fördern. So etwa die Süddeutsche Zeitung (SZ). Sie hat die Kommentarmöglichkeit vor einigen Jahren auf drei Beiträge beschränkt. Dabei handelt es sich um eigens für die Diskussion mit den Nutzern formulierte Fragen plus Teaser – so etwa  nach der Landtagswahl in Bayern: „Wie erklären Sie sich den Erfolg der Grünen?“ Daniel Wüllner, Leiter des Bereichs Social Media und Leserdialog bei der SZ, sagt, die Qualität der Kommentare sei damit gestiegen. „Hasskommentare bekommen wir praktisch gar nicht mehr.“ 

Auch bei der FAZ können nur ausgewählte Beiträge kommentiert werden. Wobei die Moderatoren jeden Kommentar lesen, bevor er freigeschaltet wird. „Unser Ziel ist definitiv nicht Quantität“, wie Stefanie Michels erklärt, die Social-Media-Koordinatorin bei faz.net. Das Ziel der Moderatoren sei eine Debatte, die sowohl für die Leser als auch für den Autor fruchtbar ist. Ohne technische Unterstützung ist die Moderationsarbeit aber kaum zu bewältigen. Allein bei faz.net gehen pro Tag 1.000 bis 1.200 Kommentare ein, so Michels. Dank der Vorselektion habe man bereits einen Eindruck davon, welche Kommentare problematisch sind und welche nicht. 

Zeit Online gehört zwar zu den Redaktionen, bei denen man noch jeden Beitrag kommentieren kann. Aber auch Zeit Online setzt auf eine Verbesserung des Kommentarbereichs. Für die Redaktion ist der Leserdialog auch eine Gestaltungsfrage: Es komme darauf an, die Äußerungen von Nutzern anders zu präsentieren als in den Kommentarspalten, wo sie optisch bloß ein unattraktives Anhängsel seien, heißt hier die Devise. „Die Expertise und die Klugheit unserer Community sollen noch besser sichtbar werden, so dass eine noch größere Öffentlichkeit Nutzen davon hat“, sagt Julia Meyer, Leiterin des Community-Teams von Zeit Online, dem journalist.

SZ und Zeit Online unterscheiden sich zwar hinsichtlich der Kommentarmöglichkeiten, sind sich aber grundsätzlich einig darin, das Publikum stärker einzubeziehen. Es komme darauf an, den Leser „einzubinden und ihn nicht nur reden zu lassen“, sagt SZ-Redakteur Wüllner. Bei der SZ hat man im Rahmen des sogenannten Democracy Lab auch ein neues Konzept unter dem Titel „Pingpong der Positionen“ ausprobiert: Ein Autor formuliert eine Ausgangsthese, wozu im Rahmen des Pingpongs dann die nach Auffassung der Redaktion schlüssigste Gegenrede eines Lesers gestellt wird. Darauf antwortet wieder der Autor, „das letzte Wort“ habe allerdings der Leser.  

Den kompletten Beitrag über die veränderten Kommentar-Strategien der Redaktionen lesen Sie in der November-Ausgabe des journalists. Neugierig? Dann hier entlang.

Die Redaktion - 12.11.2018